Jahresausflug ins Altmühltal

vom 30. Juni bis zum 3. Juli 2011

Naturpark Altmühltal ist eine Reise wert

Der Cäcilienverein war von Do., 30.06. bis So., 03.07. mal wieder auf Achse, unser Jahresausflug führte in diesem Jahr vier Tage ins Altmühltal.

Erster Tag – Donnerstag, 30. Juni 2011:

Wie nicht anders zu erwarten, hatte RULI – Reisen wieder alles bestens organisiert. Daher überreichte Ilona Pfeiffer im Namen der Busgemeinschaft – quasi als Vorschuss – den vier Machern Lucia und Valentin Ruppert sowie Sibylla und Otmar Lisiecki je ein auf der Hinfahrt noch schneeweißes T-Shirt mit schwarzem Namenszug an der Brust und Buslogo RULI – Reisen auf dem Rücken. Natürlich kam das bei den Organisatoren gut an, die Shirts wurden auch sofort angezogen.

Reiseleiter Otmar Lisiecki informierte während der Reise über Programmablauf und Geschehen am Rande, vor Ort waren Gästeführer engagiert, die uns das Altmühltal und dessen Sehenswürdigkeiten näher brachten. Das vielseitige stramme Programm war in Eigenregie zusammengestellt, zudem auf die Bedürfnisse der Mitreisenden zugeschnitten und da alles reibungslos ablief, auch entsprechend positiv beurteilt und gelobt.

Auch in diesem Jahr fuhren wir mit einem Reisebus der Firma Wöhrle aus Oberderdingen, der Mann am Steuer, Frank, war sehr freundlich und offen und ein sehr umsichtiger und ruhiger Fahrer. Die Stimmung im Bus entwickelte sich prächtig, das Wetter war zwar nicht der Hit, meist recht kühl und wolkig mit wenigen sonnigen Abschnitten, aber außer einem Regenschauer in Beilngries, blieben wir von Nässe verschont.

Traditionell gab es auf der Anreise, diesmal am Rasthof Hohenlohe – Süd, eine Kaffeepause am Bus mit selbst gebackenem Kuchen, Brezeln und Wein. So gestärkt erreichten wir nach einer weiteren Stunde Fahrt den Altmühlsee in Muhr am See. Der Altmühlsee gehört zur Fränkischen Seenplatte (wie u. a. auch der Große und der Kleine Brombachsee oder der Rotsee) und ist ein künstlich angelegter Wasserspeicher, etwa so groß wie der Königssee, der in regenarmen Zeiten den Main-Donau-Kanal über den Altmühlableiter mit Wasser versorgt. Die westlichen 40 % des Sees liegen in einem Naturschutzgebiet, darunter die fast 400 Fußballfelder große Vogelinsel, die etwa die Hälfte unserer Reisegruppe im Rahmen einer Führung – „bewaffnet“ mit Ferngläsern – erkundeten. Die Insel ist Brut – und Rastplatz für etwa 220 Vogelarten, darunter auch solche „Exoten“ wie Chilepfeifente, Halsbandschnäpper, Isabellwürger, Rothalstaucher oder Odinshühnchen.



Die zweite Gruppenhälfte fuhr wenige Kilometer weiter in die Kreisstadt Gunzenhausen. Dort wurde von einem Teil der Blasturm bestiegen, der letzte erhaltene 33 m hohen Torturm der Stadt, wo der Türmer einst Ausschau nach Feinden und Feuersbrünsten hielt, ein anderer Teil unternahm eine Gässles – Führung durch die Straßen der Stadt. Überhaupt haben wir im Laufe der Tage festgestellt, dass die Städtchen im Naturpark Altmühltal einen ausgeprägten Charme haben, jedes auf seine Art, ob Gunzenhausen, Weißenburg, Dietfurt, Eichstätt oder Riedenburg, sie alle sind historisch gewachsen, von der Antike übers Mittelalter bis heute und von zeitloser Schönheit.




Nach der Mittagspause erfolgte eine kurze Fahrt in die Römerstadt Weißenburg. Die Altstadt von Weißenburg ist geprägt von spätmittelalterlichen Fachwerkhäusern und barocken Bürgerhäusern, zahlreiche Sehenswürdigkeiten verweisen auf das reichsstädtische Erbe. Zwei Gästeführerinnen brachten uns die Stadt und seine Geschichte näher, dann besuchte noch eine große Gruppe das Kellergewölbe der Einhornapotheke, das Apothekermuseum. Zu sehne gab es Labor und Einrichtung aus der Zeit um 1882, Salbenrührschalen, Schmelztiegel, Pulverreibschalen, Mörser und Salbentöpfe, ebenso wie feine Präzisions- und Rezepturwaagen, die historische Kräuterkammer aus dem 19. Jahrhundert mit Trockenschrank für Kräuter, Häckselmaschine, Drogenhackbrett und andere Gerätschaften zum Bearbeiten von getrockneten Pflanzen. Eine hochinteressante Führung, auch das Fachwissen der Apothekerin war beeindruckend.

Es war bereits früher Abend, als wir uns, fröhlich die „Killewau-Hymne“ singend, Richtung Hotel nach Dietfurt zu den „Bayerischen Chinesen“ aufmachten. Dazu die kurze Anecktode: „Der Bischof von Eichstätt sagte einst zu seinem Kämmerer, dass die Dietfurter, zu wenig Lehen und Abgaben leisten und er solle dort einmal nach dem Rechten sehen. Die Dietfurter, von der Mission des Kämmerers unterrichtet, verschlossen ihre Stadttore und gewährten ihm keinen Einlass. Verärgert berichtete er seinem Bischof, dass die Dietfurter ihm wie die „Chinesen“ vorkommen. Sie verschanzen sich hinter ihrer Mauer und nehmen keine Notiz von einem bischöflichen Kämmerer.“

Wirt Toni vom Hotel „Bräu – Toni“ in Dietfurt empfing uns herzlich, versorgte uns mit einem wohl schmeckenden Abendessen und ein paar „Höiben“. Anschließend erwarteten die Betten die zum Großteil abgekämpften und auch müden Reisenden des CV.

Zweiter Tag – Freitag, 1. Juli 2011:

Nach den Anstrengungen des Anreisetages ging es heute etwas geruhsamer zu. Ausgeschlafen und gestärkt mit Toni` s ausgezeichnetem Frühstücksbuffet, dazu ein strahlend blauer Himmel, so erfolgte die kurze Fahrt zum Kloster Plankstetten. Zwar sollte die Baugeschichte von Kirche und Kloster nur am Rande gestreift werden und das Leben der Benediktiner und deren heutige Tätigkeitsfelder im Kloster im Mittelpunkt der Führung stehen, doch Pater Benedikt hatte seine eigenen Vorstellungen. Der vitale 89-Jährige hatte ganz offensichtlich den Schalk im Nacken und unterhielt uns in der Klosterkirche rhetorisch blendend mit Geschichten und Erfahrungen aus seinem überaus reichen Klosterleben – wir hingen gebannt an seinen Lippen. „Wenn Sie etwas über die katholische Kirche und den Glauben wissen wollen, dann rufen Sie Pater Benedikt in Plankstetten an, der kennt die ganze Wahrheit“. Nach diesen überaus positiven Erfahrung mit dem jung gebliebenen „Lauserpater“ bummelten wir noch im Klosterhof, einige jüngere Damen kamen bereits (es war erst 10 Uhr) mit „Bier-Sixpacks“ aus dem Klosterladen, aber auch die Ausstellung über Ikonenmalerei oder das Leben im Kloster fanden reges Interesse.



Dann war es schlagartig vorbei mit Sonnenschein, im Tal hatte sich Regen festgesetzt, so dass der Aufenthalt zur freien Verfügung in Beilngries in erster Linie in Wirtshäusern und Cafes verbracht wurde. Das Schlendern durch die Altstadt machte nicht wirklich Spaß, wer es trotzdem tat, fand manchen sehr hübschen Winkel und hinter ehrwürdigen Mauern außergewöhnliche mittelalterlichen Stadttürme wie den Badturm (hier wohnte die Hebamme der Stadt), den Seelennonnenturm (hier wohnte die Totenfrau) oder den Bettelvogtturm, wo ein Mann lebte, der auf die Bettler der Stadt ein wachsames Auge hatte. Bei der Abfahrt hatte es aber schon wieder aufgehört zu regnen, einige Reiseteilnehmer zogen es jetzt vor, im Hotel Siesta zu machen oder sie besuchten in Dietfurt das Altmühltaler Mühlenmuseum oder die Mariengrotte, alle anderen fuhren weiter, ein Stück am Main – Donau – Kanal abwärts, nach Riedenburg.

Auch hier war Flexibilität angesagt, wer in der Stadt bleiben wollte, stieg an der Faßlwirtschaft aus und riskierte einen Blick in das Kristallmuseum mit der größten Bergkristallgruppe der Welt (7,8 Tonnen schwer) oder in das Klingende Museum (Museum der Musikwiedergabegeräte von der Spieluhr bis zur Digitaltechnik), andere fuhren zwar mit dem Bus mit hoch zur Rosenburg, spazierten dann aber wieder talwärts, der größte Teil aber erfreute und wärmte sich nun in der prallen Sonne auf der malerisch auf einem Bergrücken hoch über dem Altmühltal liegenden Burganlage. Im zwölften Jahrhundert als Stammsitz der Grafen von Riedenburg erbaut, wurde die mächtige Burg mit ihren meterdicken Mauern in den folgenden Jahrhunderten mehrmals erweitert und umgebaut. Wie die meisten Adeligen ihrer Zeit verbrachten auch die Grafen von Riedenburg ihre Zeit am liebsten mit Minnesang und Falknerei, der Jagd mit Hilfe von Greifvögeln. Dem Falkenhof ist heute ein Museum angegliedert und er ist weithin für seine Greifvogelschau bekannt. Auch wir genossen den Flug der Falken, Adler und Geier knapp über unsere Köpfe hinweg und deren simulierte Jagdflüge. Dazu die hoch interessanten Erläuterungen des Falkners, ein gelungener Programmpunkt.








Nach dem Abstieg nach Riedenburg blieb auch noch Zeit für eine Tasse Kaffee, ein Eis oder ein Bier in der Faßlwirtschaft. Nach dem Abendessen erfreute uns Bernd Schell auf der Quetschkommode mit toller Improvisation, fast zu jedem gewünschten Lied fand er irgendwelche Griffe und es wurde kräftig gesungen. Als etwas später die „Blauen Dragoner“ auf Stühlen rücklings durch den Saal des Bräu-Toni galoppierten und das Badnerlied abgesungen wurde, hatte die tolle Stimmung ihren Höhepunkt erreicht.






Dritter Tag – Samstag, 2. Juli 2011:

Auf der Anreise am Samstag nach Regensburg wurde bereits kräftig gelacht. Valentin Ruppert hatte tief in seine Witzekiste gegriffen und für Lachsalven im Bus gesorgt. Zwei charmante Stadtbegleiterinnen führten uns über die Steinerne Brücke in die Altstadt, wo wir bei einem Stadtrundgang auf den Spuren Papst Benedikts XVI wandelten. Noch als Dr. Josef Ratzinger wirkte er hier als Universitätsprofessor und Kardinal und ist auch heute noch mit Regensburg persönlich eng verbunden. Er sagte einmal: „Hier bin ich wirklich daheim.“

Die Mittagspause wurde individuell verbracht, dann ging es weiter nach Kelheim. Die von uns gecharterte Ludwigsbahn brachte uns auf den Michelsberg zur Befreiungshalle, dem Wahrzeichen der Stadt. Den monumentalen Rundbau ließ König Ludwig I. von Bayern in Erinnerung an die Befreiungskriege gegen Napoleon in den Jahren 1813 bis 1815, errichten. Die Rotunde ist insgesamt 60 Meter hoch, der Durchmesser beträgt am untersten Sockel 66 Meter, am Hauptbau 49 Meter. Das 7 Meter hohe Eingangstor und die Schilde der Siegesgöttinnen im Inneren sind aus Bronze und wurden aus den erbeuteten französischen Kanonen gegossen. Die Wände im Inneren sind mit vielfarbigem Marmor verkleidet, den Boden bedeckt ein Marmorbelag mit einem konzentrischen Mosaikmuster. Auf einem rund umlaufenden Marmorsockel stehen vor den abgeteilten Mauernischen 34 Siegesgöttinnen, jeweils 3,30 m hoch, aus weißen Carraramarmor, die nach den Entwürfen von Ludwig Schwanthaler gemeißelt wurden.





Zurück erneut mit der Ludwigsbahn und unmittelbar auf ein Donaulinienschiff, das uns in 40 min durch die weltberühmte Weltenburger Enge (Donaudurchbruch) zum Benediktinerkloster Weltenburg brachte. Die Donau hat hier eine Flusslandschaft von sanfter bis bizarrer Schönheit. geformt, die Natur offenbart sich hier sowohl von ihrer beschaulichen als auch von ihrer spektakulären Seite.



Weltenburg ist das älteste Kloster in Bayern, erbaut im Jahre 600 nach Christus. Die Barockkirche Weltenburg ist ein kunstvolles Bauwerk der Gebrüder Asam, idyllisch auf einer Halbinsel an der Donau gelegen und regelmäßig vom Hochwasser heimgesucht. Die Kirche der Benediktinerabtei ist räumlich die kleinste Abteikirche, aber künstlerisch eine der allerbesten. Da in der Kirche ein Gottesdienst stattfand, konnten wir sie nur kurz innen besichtigen. Es blieb also ausreichend Zeit in einem der schönsten Biergärten Bayerns inmitten der Klostermauern ein schönes Dunkles zu zischen. Dann war auch dieser anstrengende und erlebnisreiche Tag fast vorbei, wir fuhren zurück entlang des „Fossa Carolina“, des Karlsgrabens, heute Ludwig-Donau-Main-Kanal, mit Blick auf die längste Holzbrücke Europas in Essing und auf Schloss Prunn, einem der ältesten und historisch bedeutendsten Schlösser Bayerns.

Letzter Tag – Sonntag, 3. Juli 2011:

Am Sonntag war schon wieder Rückreise. Durchs schöne Altmühltal, vorbei an Kinding und Kipfenberg, erreichten wir die barocke Stadt Eichstätt. Ein Teil der Gruppe besuchte den Dom. Leider war der Beginn des Pfarrgottesdienstes um eine halbe Stunde nach hinten verschoben. Das war aber gar nicht tragisch, denn anlässlich des anstehenden Todestages des Hl. Willibald von Eichstätt, dem Begründer des Bistums Eichstätt, wurde gerade ein Pontifikalamt unter Bischoff Gregor Maria Hanke gefeiert. So bekamen wir also noch vor dem eigentlichen Gottesdienst auch noch den bischöflichen Segen.

Währendessen erlebte der andere Teil der Gruppe ein mittelalterliche Führung aus der Sicht einer Bierbrauersfrau – kurzweilig, authentisch und gut gemacht: „Von übermütigen Domherren, hitzigen Bürgern und verfolgten Hexen“. Der Rundgang führte zu Stätten des Eichstätter Gerichtswesens wie zu Chorgericht und Pranger, aber auch zu Orten, wo angebliche Hexen die „peinliche Befragung“ über sich ergehen lassen mussten. Ganz nebenbei lernte man die mittelalterliche wie barocke Stadt kennen und da auch die zahlreichen Stände des Stadtfestes bereits geöffnet hatten…



Nach vier Stunden Aufenthalt erfolgte die Rückfahrt über Dinkelsbühl. Wir wurden von gutem Wetter und einem wunderschönen Blick auf die zahlreichen Wehrtürme mit Stadtmauer belohnt, im Inneren der historischen Stadt fand nicht nur eine Oldtimertreffen statt, es erwarteten uns auch fast 20 Stadttürme, das sehenswerte Münster St. Georg, die Spitalanlage, der Kornspeicher, das alte Rathaus, ein Deutschordensschloss und ein Karmeliterkloster und und und…dazu viele goldige und goldene Lokale. Fast auf die Minute genau um 21 Uhr kamen wir wieder voller Eindrücke und auch etwas müde in Jöhlingen an.

Zur Erinnerung an alle Teilnehmer: Gruppenbild vor der Befreiungshalle

Besonderer Dank an dieser Stelle der Kassiererin Eva Bofinger, die ihre Kasse voll im Griff hatte und immer zur Stelle war, wenn irgendwo Geld benötigt wurde. Dank auch an unsere Fotografen, insbesondere an Thomas Vollmer und Valentin Ruppert, aber auch Ursula Heindl hat mächtig viel „geknipst“. Thomas wird sicher alles einsammeln und am 6. Januar 2012 diese Reise in bewährter und lieb gewonnener Art und Weise wieder ins rechte Bild rücken.

25/07/11-OL/BS