Bei de Ebbelstrenzer, Schobbeschwänzer und Babbeläasch!

Tagesausflug am 12. Juni 2010 nach Frankfurt

Rustikal geht es immer noch zu im ehemaligen Frankfurter Arbeiter- und Handwerkerviertel Sachsenhausen, wo es in urigen Kneipen immer noch Ebbelwoi im Bembel zu trinken gibt und Herrschafts G’spritzter, wo der Brezelbub’ Haddekuche, Brezeln und Bethmännchen am Tisch verkauft und man Leiterchen, Rippche mit Kraut oder Saure Nierle bestellen kann und es zu (fast) allen Gerichten auch die echte Frankfurter Grüne Soß’ gibt.

Es war natürlich klar, dass wir nach einem anstrengenden und erlebnisreichen Tag in Frankfurt noch eine typische Sachsenhäuser Ebbelwoiwirdschaft besuchen mussten, um dort mit andere Dusseldiere, Maamauerbaabambeler, Kneulköpp und Dollbohrer über Gott und die Welt zu schwätze, insbesondere natürlich über die Fußball WM und das heute tagsüber Erlebte.

Getreu dem Motto „Wenn einer isst, iss mit, wenn einer trinkt, trink mit, wenn einer schafft – lass’ en schaffe“, gönnten wir uns zum Abschluss unseres Vereinsausfluges zwei Stunden im „Klaane Sachsenhäuser“ am Affentorplatz, direkt neben der berühmten Klappergasse gelegen.

Gestartet wurde der Tagesausflug des Kirchenchors wieder recht früh: Abfahrt 7 Uhr. Bis kurz vor unserer schon traditionellen Frühstückspause am Bus an der Raststätte Gräfenhausen hatte es etwas geregnet, dann hörte der Regen auf und angenehmes sonniges und nicht zu warmes Wetter verwöhnte uns den ganzen Samstag. Der direkte Draht des Chors bzw. seiner Organisatoren zu Petrus ist offenbar immer noch ganz brauchbar.

Erster Programmpunkt: Besuch des größten Flughafen Deutschlands und mit mehr als 70000 Arbeitsplätzen auch größtem Arbeitgeber. Auf einer Busfahrt über das gesamte Flughafengelände konnten wir einen Eindruck gewinnen vom Alltagsgeschäft eines Weltflughafens und erfuhren viel über die Geschichte und künftige Entwicklung des Flughafens selbst und das Leben in dieser „mittleren Großstadt“. Hochinteressant aber auch die Vorgänge auf dem Vorfeld und den Landebahnen, als wir hautnah den Start und die Landung der unterschiedlichsten Flugzeugtypen erleben konnten, von der kleinen Propellermaschine bis zum Jumbojet. Leider verhindern die scharfen Sicherheitsbestimmungen inzwischen einen Ausstieg aus dem Bus, so dass der Besuch der Feuerwache nicht mehr angeboten wird – sehr zum Leidwesen von Kai B., der im T-Shirt der Jugendfeuerwehr sicher kompetente Gesprächspartner gefunden hätte.

Immer die Skyline von Mainhatten, wie Frankfurt ja in Anlehnung an New Yorks Stadtteil Manhatten auch genannt wird, fest im Blick ging es unter fachkundiger Erläuterung unserer „Insiderin“ Ilona P., in die Innenstadt. Ilona war ja lange in Frankfurt bei der Kripo tätig und ist übrigens – so viel ich weiß – die Erste und bisher Einzige, die bereits damals Einblick in das Tagebuch der bekannten Prostituierten Rosemarie Nitribit hatte. Dort sind ja pikante Details derer Liaisons mit heute noch lebenden Liebhabern beschrieben. Offizielle darf das Tagebuch erst 2020 veröffentlicht werden. Wir aber wissen schon mehr.

Jeder von uns war sicher schon einmal in Frankfurt. Aber die allermeisten Erinnerungen reichen 20 oder 30 Jahre zurück, bei manchen noch länger. Da hat sich natürlich in der Zwischenzeit städtebaulich einiges positiv entwickelt, ein Mix aus Alt und Neu ist entstanden, schön gestaltete Plätze, liebevoll restaurierte mittelalterliche Gebäude, hochmoderne Architektur und immer wieder grüne Oasen mitten in der Stadt. Wenn ich dagegen unseren Bahnhofsvorplatz in Karlsruhe anschaue oder den Markt- oder den Europaplatz, Theo Lingen hätte gesagt: traurig, traurig, traurig…

Nach dem Ausstieg an der Paulskirche um die Mittagszeit stürmten die meisten ungebremst in eines der zahlreichen Lokale in der nur wenige Fußminuten entfernten Einkaufstraße Zeil, extrem lauter und lebhafter Multikultitreffpunkt in Frankfurts Stadtmitte. Die jungen Damen Irina S. und Selina R. hatten sich frühzeitig abgesetzt, um in „My Zeil“, dem neuen Konsumtempel Frankfurts, shoppen zu gehen und ließen sich natürlich auch nicht die jungen Burschen vor dem angesagten Klamottenladen „Hollister“ entgehen, die in Bermudashorts und mit muskelbepacktem nacktem Oberkörper Mühe hatten, den Andrang der Teenies abzuwehren. Doch auch die ältere Generation war in „My Zeil“ unterwegs, entweder um mit der gefühlt längsten Rolltreppe der Welt über neun Stockwerke bis unters Dach zu fahren oder auf eine Aussichtsplattform zu gelangen, wo man einen herrlichen Blick auf die Innenstadt genießen konnte.

Andere nutzten die Mittagspause zu einem Bummel über den Römerberg hin zu Dom und Leinwandhaus und weiter in die Kleinmarkthalle, wo das Herz des Hobbykochs Hüpfer bis zur Decke machte. Dann ging es vorbei am Museum für Moderne Kunst zum Bauernmarkt auf der Konstablerwache, wo ebenfalls ein frisches und farbenfrohes Sortiment lockte und man zudem für kleines Geld leckeres Essbares fand und ersten Kontakt zum Ebbelwoi herstellen konnte.

Um 14 Uhr war Treffpunkt am Justitiabrunnen vor dem Römer, wo uns zwei aparte Stadtführerinnen zur zwei Stunden Themenführung „Tatort Frankfurt“ erwarteten. Auf unterschiedlichen Routen ging es quer durch die Innenstadt zu den Schauplätzen der jeweiligen Verbrechen, vom Eisernen Steg zur Nikolaikirche, zum ehemaligen Karmeliterkloster, zur Paulskirche und zum Goethehaus, zur Hauptwache und zum Eschenheimer Tor. An jeder Station gab es Geschichten über Frankfurter Mordfälle, Brände und deren Brandstifter, Hinrichtungen und deren Methoden im Mittelalter, Finanzverbrechen der Neuzeit, manches lustig, manches aber auch makaber, aber jederzeit interessant und spannend. Dazu aber auch dosiert eingestreut Informationen zur Stadt und deren historischer Gebäude und zum Leben in der Stadt früher und heute.

Nach dieser Führung waren viele von uns „platt“, man sehnte sich nach einem schattigen Sitzplatz, da war es egal ob in einem Cafe, einer Eisdiele oder in einem der unzähligen bewirtschafteten Plätze. Überall war public viewing angesagt, und so kamen auch die Fußballfans bei einem Hefeweizen noch auf ihre Kosten – was willst Du mehr.

Ein kurzer Spaziergang über den Main entlang des mit Museen gepflasterten Mainufers nach Sachsenhausen, auf dem Weg zum Klaane Sachsenhäuser ein Gruppenfoto, dann ein paar Ebbelwoi (man sehe sich nachfolgende Bilder an, welche mehr als 1000 Worte sagen…), danach erfolgte die Heimfahrt.






Für den rundum gelungenen Tag einen ganz besonderen Dank den Organisatoren Lucia und Valentin Ruppert (Bus und Vorbereisung), Sibylla und Otmar Lisiecki (Programm und Vorbereisung) und Eva Bofinger (Kassenangelegenheiten). Herzlichen Dank aber auch an unsere Kuchenspenderinnen Bärbel Helfrich, Anneliese Vollmer, Roswitha Weber und Hanne Meizinger und die Kaffeespenden von Ilona Pfeiffer, Lucia Ruppert und Sibylla Lisiecki.

Im nächsten Jahr geht es 4 Tage in den Naturpark Altmühltal. Wir freuen uns bereits heute.