Tagesausflug am 31. Mai 2008

ins Münstertal und zum Kaiserstuhl

Blick von Obermünstertal zum Kloster St. Trudpert

Ein bisschen nachdenken musste man schon, wenn man sich selbst für einen „guten“ Badener hielt und glaubte, seine Heimat zu kennen. Denn – die etwa 20 Fragen, die der Mitorganisator des Tagesausfluges des CV Otmar Lisiecki den Teilnehmern in den südlichen Breisgau, das Münstertal und den Kaiserstuhl stellte, waren nicht ganz einfach zu beantworten, aber auch nicht furchtbar ernst gemeint. Auf alle Fälle offenbarten sie zum Teil erhebliche Wissenslücken der Nordbadener über ihre südbadische Nachbarheimat.

Im und am Bus um 6:45 Uhr Hektik. Obwohl ein Bussitzplan aushängt, setzt sich (fast) jeder da hin, wo es ihm gerade gefällt und Platz ist – Chaos. Aber nur kurz, dann hat Resi alles im Griff. Eine Minute vor Abfahrt: 6:59 Uhr – Brigitte kommt angehechelt, es kann losgehen. Jetzt noch über Dorlach fahren, Badenerstr. Ecke Rommelstr., da steht Anna Freiburger. Angeblich hat man sie einmal irgendwo „vergessen“, seitdem schiebt sie Panik, das würde wieder passieren. Aber heute nicht. Sie winkt wie verrückt mit einem etwa zwei Meter langen roten Tuch als sei der Bus ein Stier und sie eine matadora, eine Stierkämpferin.

Das Wetter war (fast) ideal: nicht zu warm, mal wolkig mit leichtem Nieselregen, dann wieder strahlender Sonnenschein, dazu wie immer, wenn der CV auf Achse ist, beste Stimmung und somit gute Rahmenbedingungen für einen sehr unterhaltsamen und erlebnisreichen Tag mit einem abwechslungsreichen Programm.



Auch zu essen und zu trinken gab es reichlich, bereits früh am Morgen einen kleinen Frühschoppen (Wein oder Kaffee) mit Brezeln an der Autobahn, ein gutes, wenn auch nicht ganz preiswertes Mittagessen im Münstertal (das ist halt ein begehrtes Urlaubsgebiet), eine Kaffeepause in Breisach am Rhein bzw. in Neuf-Brisach im Elsass und am Abend ein uriges Vesper mitten in den Weinbergen von Ihringen im Kaiserstuhl mit tollem Blick auf den Schwarzwald, die Vogesen und ins Rheintal.

Dazwischen immer wieder Fragen: „Woher hat der Schwarzwald seinen Namen?“ (Antwort: bereits die Römer nannten die damals noch voll bewaldeten Berge: „silva nigra“ = der schwarze, düstere Wald) oder „Wie viele Berge über 1000 m gibt es im Schwarzwald?“ (Antwort: 65! – hätten Sie das gedacht?) oder wussten Sie, dass 170 Kurven aufs Schauinsland hinauf führen oder dass die traditionsreiche ehemalige Brauerei in Riegel heute zum Hause Fürstenberg gehört?

Das Programm war von den „Reiseleitern“ Resi Butzke und Otmar Lisiecki wie immer vielseitig gestaltet und von der „Cateringfraktion“ Peter Butzke und Sibylla Lisiecki bei der Vorbereisung für tauglich befunden worden. Im Bus gab es dafür bereits bei der Anreise ein anerkennendes Gedicht von Ilona Pfeiffer und Tanja Koch hatte für die vier Organisatoren T-Shirts mit dem Aufdruck „BULI – Reisen“ besorgt. Herzlichen Dank an dieser Stelle an Euch beide und natürlich an alle Sponsoren im Bus.

Gedicht:
Wir haben eine Reise gebucht bei BULI Reisen – das ist fein
So ein Reisebüro haben wir immer gesucht und luden viele Sänger ein!
Wir waren schon mit BULI-Reisen in Würzburg und im Frankenland
Und durch das „Bläddle“ Ist BULI-Reisen inzwischen in ganz Jöhlingen gut bekannt.
Damit man auch die Reiseleitung erkennt, haben wir Gäste diesmal nicht gepennt
und überreichen nun den vier Reiseleitern – jedem ein Hemd.
Wir hoffen, dass alle vier Shirts Euch passen, wir wollten ja unser Geld nicht verprassen.
Wir wünschen uns allen einen schönen Tag und danken Euch für Eure Müh’ und Plag
Gute Reise!

Nach Ankunft in Staufen konnte sich jeder seinen Interessen entsprechend einer Neigungsgruppe anschließen. Fast die Hälfte wählte die Führung durch die hübsche Fauststadt Staufen, eine zweite Gruppe wanderte nach einem kleinen info rmativen Stadtbummel durch das Tal des Neumagen in etwa zwei Stunden zum Kloster St. Trudpert in Untermünstertal, eine weitere Gruppe bevorzugte eine Führung durch die Stadtkirche St. Trudpert (durch den Präses des Diözesanverbandes Monsignore Johann Schäfer, heute Stadtpfarrer in Münstertal) und eine Vierte fand großen Gefallen am sehenswerten Bienenkundemuseum in Obermünstertal. So fand jeder Deckel seinen Topf und als man sich dann zum gemeinsamen Mittagessen traf machten alle Teilnehmer einen zufriedenen Eindruck.

einige Teilnehmer wählten die Wanderung von Staufen nach St. Trudpert

Beim Mittagessen

Leider ließ sich der Besuch des Schwarzwaldhauses 1902 nicht realisieren (Serie in der ARD – Familie Boro begab sich auf eine Zeitreise 100 Jahre zurück und lebte auf dem Kaltwasserhof im Münstertal), da hätten wir etwas mehr Zeit mitbringen müssen, da die Anfahrt recht beschwerlich ist und auch noch eine kleine Wanderung erforderlich gewesen wäre.

Bleibt für heute noch die Frage zu klären, woher der Belchen eigentlich seinen Namen hat? In der Alemannischen Sprache bedeutet Belchen: „ Ein Berg, der keine Spitze, sondern eine Kuppe hat!“. So gibt es in den Vogesen sogar drei „Belchen“, den Elsässer Belchen (Ballon d `Alsace); den Großen Belchen (Grand Ballon) und den Kleinen Belchen (Petit Ballon) und auch im Schweizer Jura gibt es den sog. Jura Belchen. Noch ältere Wurzeln allerdings verweisen auf die keltischen Sprache, wonach die Belchen nach dem keltischen Sonnengott Belenus benannt wurden.

Am Nachmittag tauchte die Frage auf: „Wer war eigentlich Vauban?“ Die Antwort: Sébastien Le Prestre de Vauban, der spätere Marquis de Vauban, wurde 1633 in Burgund geboren und verstarb in Paris 1707. Vauban war französischer General und genialer Festungsbaumeister von König Ludwig XIV. In seinen fast 60 Dienstjahren hat Vauban, schon zu Lebzeiten mit dem Ehrentitel „Ingénieur de France“ belegt, 33 neue Festungen geplant, für 160 weitere Plätze über 400 Projektvorschläge geliefert und unzählige bereits bestehende Festungsanlagen modernisiert. Als Beispiele seiner Baukunst sind zu nennen: Belfort, Bitche, Freiburg, Germersheim, Haguenau, Landau, Luxemburg, Metz, Saarlouis, Strasbourg oder Verdun. Neben dem eigentlichen Festungsbau befasste sich Vauban mit Fragen der Stadtplanung, der Landwirtschaft, des Ackerbaus und der Viehzucht, des Wasser- und Verkehrswegebaus mit Schleusen, Kanälen und Aquädukten, darüber hinaus auch mit Statistik, Ökonomie, Steuerwesen und Finanzpolitik, Religion und Philosophie.



Beim heutigen Jahresausflug hat Vauban eine Gruppe am Nachmittag besucht; nicht ihn persönlich, aber einen großen Verehrer von ihm, Monsieur Martin Hoffart, kurz „Tintin“, Stadtführer im französischen Neuf-Brisach, der uns mit seinem Pferd (seinem Motorrad erwartete und uns seine Heimatstadt (die kenne ich wie mein Ehebett!) und Baumeister Vauban mit launigen Worten und Deutsch-Französisch-Elsässischem „Slang“ näher brachte. Das war amüsant und lehrreich und wir erfuhren auch privates: Tintins Frau hat ihre Wurzeln im Kraichgau: sie stammt aus Gondelsheim.

Eine zweite Gruppe wurde bereits eine halbe Stunde vorher im Stadtzentrum von Breisach verabschiedet. Dort wartete bereits Frau Müller, die die Gruppe in Empfang nahm und hoch führte auf den Münsterberg und sie zu einem historischen Rundgang durch die Oberstadt einlud. Vom Münsterplatz aus hatte man einen guten Rund um Blick in die Rheinebene, den Schwarzwald und auf den Kaiserstuhl. Wir erfuhren viel Interessantes über den Hexenturm, die beiden ehemaligen Klosteranlagen der Franziskaner und Kapuziner, die Alte Kanzlei, den Tulla- oder den Radbrunnenturm und die vielen Gasthöfe, die früher hier einmal standen.

Eine geführte Innenbesichtigung des Wahrzeichens von Breisach, des Münsters St. Stefan, war leider wegen einer Hochzeit nicht möglich, das wussten wir aber bereits vorher, so dass uns Frau Müller im Außenbereich alles Wesentliche erläuterte und wir dann individuell die im romanisch und gotischen Stil erbaute Kirche von innen anschauen konnten. Da unsere charmante Stadtführerin die eingeplante Besichtigungszeit kräftig überzog, blieb für die Kaffeepause nur noch wenig Zeit und so freuten sich bereits alle auf das nächste Highlight des Tages: die Fahrt mit dem Buckelbus zum Abendessen in den Kaiserstuhl.

Hab mein Wagen voll geladen… so könnte man das umschreiben, was uns nach den etwas anstrengenden, aber auch interessanten und info rmativen Führungen in Staufen, im Münstertal, in Neuf-Brisach und Breisach jetzt erwartete: der Buckelbus! Zwar hatte der beim Start in Ihringen eine Viertelstunde Verspätung, weil der Traktorfahrer noch einige Damen in den Weinbergen „zu versorgen“ hatte, aber dann ging es mit „Volldampf“ los.




30 Mitfahrer passten auf den Hänger und der Fahrer, auch Wirt des Rasthauses „Am Lenzenberg“, versicherte, er könne notfalls auch 35 Mitfahrer unterbringen, da müsste er nur einmal bremsen – dann wäre wieder Platz, da alle zwangsläufig enger zusammenrücken würden. Obwohl insgesamt zehn CVler die fast 200 Höhenmeter hoch zum Lenzenberg in genau 35 min zu Fuß bewältigten und oben schwitzend, aber glücklich und zufrieden ankamen, musste der „Buckelbus“ zweimal fahren. Das Gefährt wippte und holperte ganz schön und mancher Magen war froh, als am Lenzenberg wieder Ruhe einkehrte. Aber es war lustig und alle wurden mit einer herrlichen Abendsonne und toller Aussicht auf den Schwarzwald, die Vogesen und das ganze Rheintal belohnt. Auch der Magen bekam wieder etwas zu tun, er durfte ein schönes Weizenbier, ein oder zwei oder drei Glas Wein oder einen Saft zu sich nehmen, dazu ein herzhaftes Vesper oder mehr.

Nach 90 Minuten Aufenthalt ging es in umgekehrter Richtung wieder ins Tal, die Mannschaft im Wagen jetzt bei bester Stimmung eifrig Lieder singend. Und – unbedingt erwähnenswert: Berg abwärts waren 33 Wanderer unterwegs!

Wie geplant erreichten wir um 22:30 Uhr Jöhlingen. Der Tag war nach übereinstimmender Aussage aller Beteiligter sehr schön und abwechslungsreich. An dieser Stelle daher ein großes Dankeschön an die Organisatoren von BULI – Reisen, einem „Reisebüro“, das inzwischen sogar unser 2. Vorsitzender Richard kennt.