In die Kurpfalz und den Wonnegau…

Tagesausflug am 14. Juli 2012

Der Wetterbericht verhieß für unseren Tagesausflug am letzten Samstag nichts Gutes: ungemütlich, nass, windig und dazu wenig Sonne. Doch wir wurden angenehm überrascht, außer etwas Nieselregen bei der Frühstückspause am Bus an der Autobahnraststätte bei Lorsch (herzlichen Dank an dieser Stelle für die Kuchen- und Kaffeespenden) war es zwar kühl und windig, am Nachmittag und abends aber war der Himmel wolkenlos, die Fahrt durch den Wonnegau von Worms nach Kallstadt bei Bad Dürkheim so ein einziger Genuss.

Um 10 Uhr starteten wir dem Museumszentrum Lorsch einen Besuch ab. Es beherbergt unter einem Dach die klostergeschichtliche Abteilung der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessens, die Abteilung für Volkskunde des Hessischen Landesmuseums Darmstadt, das Tabakmuseum mit Sammlungen der Stadt Lorsch und eben das Kloster, das seit 1991 insbesondere wegen seiner karolingische Königshalle in die Liste als Weltkulturerbe aufgenommen wurde. Leider war die Königshalle immer noch wegen ihrer Generalsanierung eingerüstet, die Führerin, eine Archäologin der UNI Heidelberg, verstand es aber prima, die Historie des Klosters prägnant und verständlich darzustellen. Die Führung beinhaltete auch die Besichtigung des Klostergartens und des Lapidariums. Ein paar „Geschichtsbanausen“ – darunter auch der Chronist – verweigerten sich der Klosterführung und erlebten eine überaus interessante Führung durch das Tabakmuseum, das mit einer Sammlung von über 200000 Zigarren-Bauchbinden die größte Sammlung weltweit aufweist. Auch die größte funktionierende Pfeife der Welt ist hier ausgestellt, sie ist fast 3 m lang, wiegt 120 kg und verbraucht für eine Füllung 10 kg Tabak.




Um die Mittagszeit erreichte unser Bus die Nibelungenstadt Worms, wo jeder seine Mittagspause individuell verbrachte. Um 14 Uhr war dann wieder Geschichte pur angesagt, diesmal für alle. Auch hier gab es eine „normale“ Führung und eine Führung für „Genießer“, das war die Gruppe der leicht „Fußkranken“. Die Themenführung hatte den Titel „Zu Fuß durch zwei Jahrtausende“ und führte vom Neumarkt mit Siegfriedbrunnen (Nibelungen) und ev. Stiftskirche zur Krone der Stadt, zum Kaiserdom St. Peter (Innen- und Außenbesichtigung), dann weiter zum berühmten und ältesten Judenfriedhof Europas „Heiliger Sand“ und entlang der zum Teil noch römischen Stadtmauern zum Lutherdenkmal. Dort wurden weltbewegende Augenblicke ebenso lebendig wie glänzende Reichstage. Worms entpuppte sich sowohl als Stadt der Romanik, als auch als Stadt der drei Kulturen (Christentum seit der Römerzeit, Judentum ab 11. Jhrh., nach der Reformation Lutherische Konfession ab 16. Jhrh.). Ständig wurden wir auch an die Nibelungen erinnert, die in Straßennamen und Denkmälern lebendig geblieben sind. Worms hatte geschichtlich und bauhistorisch erstaunliches zu bieten.









Nach „Abarbeiten“ des kulturellen Speiseplans dann der nahtlose Übergang zu irdischen Genüssen, zu Kaffee und Kuchen in einem der zahlreichen Cafes, zu einem Eis bei Vannini am Neumarkt (sehr lecker) und nach der bereits erwähnten Fahrt durch den lieblichen Wonnegau wurden wir mit einem leckeres Abendessen in den Winzerstuben „Weick“ für die Strapazen des Tages belohnt.

Während der Fahrt gab es noch so manche „kurpfälzische Nuss“ zu knacken, denn nicht jeder wusste etwas mit Kurpfälzer Schimpfwörtern anzufangen wie Dullewaudel, Olwaniggl, Pienser, Schlambammbl, Schorllä oder Rieweniggl, etwas einfacher war es bei den Lebensmitteln Flaaschkieschlin, gedrigglde Ghannsdrauwe, Keschde, Quellmänner oder Soipeffa. Das bekannteste Kurpfälzer Wort überhaupt soll hier auch nicht unterschlagen werden: „für umme“; aber ein ähnliches Wort gibt es im Badischen auch und heißt „für umsunschd“.

Nach übereinstimmender Meinung war der Tagesausflug gelungen und wir bedanken uns beim Team Ruppert-Lisiecki (RULI-Reisen) für die wieder einmal perfekte Organisation und bei Eva Bofinger für die Wahrnehmung der Kassenangelegenheiten. Im nächsten Jahr geht es in einem 5-tägigen Ausflug vom 19. bis 23. Juni 2013 ins Ruhrgebiet mit den Themen Fußball, Gold, Kohle und Stahl. Die Hotelzimmer sind schon geblockt, wir freuen uns, wenn Ihr den Termin schon einmal im Hinterkopf behaltet.