… zu Fischen, Straußenvögeln und einer alten Abteikirche

Unser erster Ganztagesausflug nach längerer Pause führte uns zu Fischen, Straußenvögeln und einer alten Abteikirche

Der Cäcilienverein war mal wieder auf Achse. Getreu dem Motto „Warum in die Ferne schweifen, wo das Gute liegt so nah“ führte uns der diesjährige Ausflug am vergangenen Samstag, 04.06.2005 an den Oberrhein südlich von Rastatt. Ziel unseres Ausfluges waren die Staustufe mit Fischpass bei Iffezheim, die ehemalige Abteikirche St. Peter und Paul in Rheinmünster –Schwarzach und die ebenfalls in Schwarzach beheimatete Straußenfarm „Mhou“!



Unser Doppeldecker-Bus mit Fahrer Abraham und Beifahrer Kai Bofinger war mit 61 Cäcilianerinnen und Cäcilianern (darunter 10 Kindern) gut besetzt und fuhr pünktlich um 8:30 Uhr vom Kirchplatz in Jöhlingen ab Richtung Iffezheim. Das Wetter war für einen Ausflug ideal, es war meist sonnig, nicht zu warm, nicht zu kalt und wie sich im Verlauf des Tages herausstellte, mussten auch die vorsorglich eingepackten Regenschirme nicht eingesetzt werden.

Um 9:30 Uhr wurden wir auf dem Parkplatz des Rheinkraftwerkes Iffezheim von zwei freundlichen Fischereiexperten des örtlichen Angelsportvereins empfangen. Im Rahmen eines interessanten und auch für die Kinder kurzweiligen 20 min Videofilmes wurde die Gruppe informiert über Sinn und Zweck des Rheinausbaus bei Iffezheim und dessen ökologische Auswirkungen auf die Natur, den Bau und Betrieb des Kraftwerkes, über Stromerzeugung, Geschiebezugabe sowie die Funktion von Europas größtem Fischpass.

Der Fischpass selbst, eigentlich eine Fischtreppe, wurde anschließend etwa 1 Stunde lang ausführlich besichtigt. Die Herren Degel und Frank führten uns in zwei Gruppen durch die Gesamtanlage. Wir erfuhren viel Wissenswertes über den sog. Lockstrom, der die Fische zur Aufstiegshilfe „lockt“ oder über den Fischaufstieg selbst, wo die Fische einen Höhenunterschied von 11 m über 37 miteinander verbundene Verteilbecken auf 300 m Länge überwinden müssen. Wir wurden darüber informiert, dass jeder Fisch an einer Beobachtungsscheibe vorbei schwimmen muss und dort mit Hilfe einer automatischen Videokamera gezählt wird, dass in gewissen Zeitabständen sogar jeder Fisch in einer Reuse gefangen wird (im Jahr 2004 etwa 25 t Fisch), um dann für wissenschaftliche Zwecke gewogen und markiert zu werden. So konnten am Fischpass in Iffezheim schon 32 verschiedene Fischarten nachgewiesen und analysiert werden, darunter auch seltene Exemplare wie der Maifisch oder das Flussneunauge . Man weiß inzwischen, dass pro Jahr etwa 100 Lachse zum Laichen ins Oberwasser schwimmen, man untersucht deren Blut und entnimmt Gewebeproben, um durch Genuntersuchungen u. a. nachweisen zu können, aus welchem Land die Fische genau kommen und welche Lachsart mit den Lebensbedingungen im Rhein am besten klar kommt.

Unser Kassier Peter Butzke bedankte sich nach der Führung um 11:15 Uhr im Namen des Cäcilienvereines bei den beiden Herren des Angelsportvereines Iffezheim mit einer guten Flasche Badischen Weines und einem Geldgeschenk. Weiter ging es zum Mittagessen in den „Grüner Baum“ nach Wintersdorf, durchaus ein auch für einen privaten Besuch empfehlenswertes Lokal.

Nachdem man das heutige Geburtstagskind Otmar zum Dessert mit einem Ständchen überrascht und erfreut hat, fuhr der Bus entlang des Baden-Airport nach Rheinmünster-Schwarzach, wo die Paten für den Ortsnamen natürlich in der Nähe der Ortschaft zum Rhein und dem „Schwarzacher Münster“ zu suchen waren.

Nach kurzem Spaziergang vom Busparkplatz durch das alte Fischerdorf und dem obligatorischen Gruppenbild am Brunnen im Klosterhof wurden wir von Frau Faller um 14 Uhr zu einer Führung durch das Schwarzacher Münster „St. Peter und Paul“ begrüßt.

Die ehemalige Benediktinerabtei aus dem 12. Jahrhundert bzw. das heutige Münster „St. Peter und Paul“ ist nach mehreren Umbauten seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts wieder als überwiegend romanische Säulenbasilika gestaltet und wird jährlich tausendfach besucht. Frau Faller gab einen Abriss über die wechselhafte Geschichte des Münsters und spannte den Bogen der alten Reichsabtei von der Frühgeschichte im 6. Jahrhundert über die Salier- und Ritterzeit, die Bauernkriege und Reformation bis zur Blütezeit des Klosters im 18. Jahrhundert.

Sowohl die Gesamtanlage als auch die Kirche selbst sind imposant und bauge-schichtlich beeindruckend. Immerhin vereinigt das Münster noch heute vier Baustile: die vorherrschende Romanik, die Gotik mit ihren spitzbogigen Schallfenstern im Turm und den spitzbogigen Arkaden in der Vierung (1299-1302), die Renaissance mit dem kunstvollen aus Holz geschnitzten Chorgestühl (um 1700), den Barockstil mit der Orgel von J. G. Rohrer (1758) und dem jüngst wieder hergestellten, monumentalen barocken Hochaltar von Eigler (1752).

Die im Kirchenraum in einem Holzgestell installierte Glocke wird bei jedem Gottesdienst geschlagen und durfte von unserem hoffnungsvollen Nachwuchs mehrfach zum Klang erweckt werden, für unsere Buben natürlich ein großes und vor allem „lautes“ Vergnügen. Die Akustik der Kirche ist im mittelbadischen Raum einmalig gut, so dass alljährlich auch Konzerte abgehalten werden.

Auch im Umfeld des Münsters finden sich noch viele Hinweise auf das ehemalige Kloster wie das gut erhaltene Klostertor, das frühere klösterliche Amtshaus, die Klosterapotheke oder das Beinhaus, das 1522 errichtet wurde und von uns ebenso besichtigt wurde wie das eingelassene Schieferbild auf dem Mansardendach des Eckpavillons im Klosterhof, das die biblische Szene „Jesus und die Samariterin“ darstellt.

Im Klosterhof wurden wir dann auch von Frau Faller verabschiedet und weiter ging es um kurz nach 15 Uhr zu Deutschlands größter Straußenfarm „Mhou“ (40 Fußballfelder groß), ebenfalls in Schwarzach beheimatet. Der Name „Mhou“ (ausgesprochen: Mooh) kommt übrigens vom Balzruf des Straußenhahns, der zudem bei seinen Werbeversuchen bei der holden Damenwelt bis zum Kniegelenk hoch leuchtend rote Füße bekommt – wie beim Menschen manch einer einen roten Kopf – lustig anzuschauen.

„Straußenmutter“ Uschi Braun gründete 1993 zusammen mit ihrem Partner Christoph Kistner die Farm in Rheinmünster-Schwarzach, die heute weltweit einen guten Ruf hat und als vorbildlich für artgerechte Straußenhaltung gilt. Mitarbeiterin Frau Bernauer stellte uns im Rahmen ihrer dynamischen Führung über das Gelände alle Stationen der Straußenzucht vor und versorgte uns mit vielen Detailinformationen, die uns schnell klar machten, dass es deutliche Unterschiede zwischen unserem heimischen Huhn und diesem Laufvogel gibt.



Die wenigsten von uns wussten sicher, dass der Strauß bis zu 70 Jahre alt wird, die Henne 40 Jahre Eier legen kann und dass sie das jeden 2. Tag tut, dass ein Ei im Mittel etwa 1600 Gramm schwer ist und Henne Karla in Schwarzach den Rekord mit 2720 Gramm hält. Auch war uns nicht geläufig, dass der Cholesteringehalt des Eies beim Vogel Strauß genau so groß ist wie der beim Hühnerei, der Inhalt eines Straußeneies etwa dem von 30 Hühnereiern entspricht, dass der Strauß pro Tag 1 cm wächst, also nach 1 Jahr ausgewachsen ist und dann bis 2,80 m groß wird und 120 bis 180 kg wiegt. Wir erfuhren, dass der Strauß Temperaturen von –25 bis +50 Grad Celsius aushält, sich also auch bei uns sehr wohl fühlt und dass er eine halbe Stunde lang bei Tempo 50 laufen kann und seine Spitzengeschwindigkeit bei 70 km/h liegt.

Neu war uns auch, dass der Strauß zur besseren Verdauung Steine „frisst“ und pro Tag bis zu 20000 Mal auf dem Boden etwas aufpickt, dass er sehr schreckhaft ist, aber außerordentlich gut sieht und hört und unvorsichtigen Besuchern schon mal die Mütze vom Kopf klaut oder die Ohrringe anknabbert.

Leider hatten wir nicht das Glück, das Schlüpfen von Straußenküken in der Brutstation beobachten zu können, wohl aber besuchten wir den Schlupfraum, die Babystube und den Kindergarten für Strauße, wo einige übermütige und verspielte 3 Wochen alte Straußenkinder uns mit Pirouetten und Bauchplatschern erfreuten, insbesondere für die mitgereisten Kinder ein tolles Erlebnis.

Im Farmladen wehte uns ein „Hauch von Afrika“ um die Nase, denn dort kann man alles rund um den Vogel Strauß kaufen. Bereits die heilige Hildegard von Bingen (1098 – 1179) kannte Straußenfleisch als Heilfleisch, denn mit einem Fettgehalt von nur 1 % ist das Fleisch sehr mager und cholesterinarm. Da die Tiere in der Farm „Mhou“ nur mit natürlichen Futtermitteln (Gräsern, Klee, Getreide) ernährt werden, ist das Fleisch nicht nur sehr gesund, sondern schmeckt darüber hinaus auch äußerst delikat. Weitere Produkte, die im Farmladen verkauft werden, sind Lederwaren, Hautbalsam, Öle, kunstvoll gravierte Eier und Eilampen, afrikanischer Schmuck oder Staubwedel aus Straußenfedern. Ob Sonja allerdings die kleine süße Handtasche für 435 €, die sie dort entdeckt hat, von ihrem Karlo zu Weihnachten geschenkt bekommt, entzieht sich der Kenntnis des Chronisten. Er wird aber weiter Überzeugungsarbeit leisten.

Was wäre ein gelungener Tagesausflug ohne einen zünftigen Abschluss? Dieser wurde uns in der in der Bier- und Weinstube in Bühl – Altschweier geboten, wo in gemütlich rustikaler Umgebung für Speis und Trank bestens gesorgt war, wir die Eindrücke des Tages bei einem guten Viertele oder einem Bierchen und abschließendem Pfirsichlikör (der auch nach Erdbeere geschmeckt hat) verdauen konnten und bereits Pläne für den nächsten Ausflug geschmiedet wurden.



Herzlichen Dank an dieser Stelle insbesondere an Resi und Peter, die das alles prima organisiert haben. Um 21 Uhr erreichten wir wieder Jöhlingen in dem Bewusstsein, einen zwar anstrengenden, aber auch überaus ereignisreichen Tag verbracht zu haben – und zwar fast direkt vor der „Haustüre“.

Otmar Lisiecki