Das Ruhrgebiet war eine Reise wert!

Jahresausflug ins Ruhrgebiet, 19. bis 23. Juni 2013

„So schön haben wir uns das Ruhrgebiet nicht vorgestellt“, „Wir sind total begeistert, uns hat es super gefallen, „Das war eine tolle und abwechslungsreiche Reise!“

Das sind nur drei von vielen positiven Stimmen und Meinungen, die dem Organisatoren-team Lucia und Valentin Ruppert sowie Sibylla und Otmar Lisiecki auf der Heimfahrt zu Ohren gekommen sind. Das vielseitige Programm hatte ja auch wirklich für jeden Geschmack etwas zu bieten, wurde wie immer in Eigenregie auf die Bedürfnisse der Reisegruppe des CV zusammengestellt und entsprechend gelobt. Das freut uns natürlich.

Erster Tag – Mittwoch, 19.6.:

Start der Reise war ein Mittwoch. Wöhrle – Reisen hatte uns wieder Frank S. als Fahrer geschickt, mit dem wir bereits 2009 im Saarland und 2011 im Altmühltal unterwegs waren und beste Erfahrungen gemacht hatten. Auch die Stimmung im Bus war von Anbeginn an prächtig, das Wetter versprach für den Anreisetag große Hitze, danach sollte es abkühlen und unbeständiger werden. So war es dann auch, jedoch außer zwei kräftigen Gewitterregen in Essen und Wuppertal war das Reisewetter im Pott nahezu ideal.

Auf halbem Weg nach Dortmund gab es eine Kaffee-/Teepause am Bus mit selbstgebackenem, sehr leckerem Kuchen (Dank an Lies Daum, Monika Schiffer, Resi Butzke und Roswitha Weber) und Brezeln; allerdings bevorzugten einige wenige(?) Reiseteilnehmer vorwiegend männlichen Geschlechts bereits zu früher Stunde die „härteren Drogen“ und zogen ein Glas Wein / Schorle dem Kaffee vor.



Copilot Otmar stimmte die bestens gelaunte Gesellschaft auf das Ruhrgebiet mit Informationen zur Kulturhauptstadt Europas (das war das Ruhrgebiet nämlich 2010) ein, nach der Mittagspause in Dortmund erwarteten uns dann schon zwei Themenführungen. Eine Gruppe begab sich auf den „Walk of Fame“, einen amüsanten Rundgang durch diese Fußball verrückte Stadt, wo wir Anekdoten, Daten und Fakten zum BVB erfuhren und uns u. a. auch Spielernamen des 1. Deutschen Europapokalsiegers von 1966 wie Aki Schmidt, Rudi Assauer, Lothar Emmerich, Sigi Held, Hans Tilkowski, Hoppy Kurrat oder Stan Libuda wieder ins Gedächtnis gerufen wurden. Für Hedwig, einen bekennenden Fan eines Vereins aus dem Süden der Republik, waren das besonders harte 90 min. Gruppe zwei lernte auf ihrem Rundgang typische Wohn-, Freizeit und Arbeitswelten des Ruhrgebiets kennen, einen Schrebergarten, eine Zechensiedlung und auch ein modernes Mehrgenerationenwohnprojekt, nicht nur für Architekturfreunde eine interessante Entdeckung der „Route der Wohnkultur“.




Nach kurzer Anreise erreichten wir am frühen Abend unser Standortquartier in Bochum, das 4-Sterne Hotel ACHAT Premium, verkehrsgünstig am Ruhrschnellweg, der Bochumer MediTherme und dem Ruhrpark gelegen, dem größten Einkaufszentrum im gesamten Ruhrgebiet. Beim ersten abendlichen Buffet hakte der Service noch etwas, das Frühstücksbuffet jedoch war sehr gut und auch das freundliche Personal hatte sich schnell auf unsere Wünsche eingestellt. Da die Zimmer sauber, modern, ansprechend möbliert und für ein Stadthotel zudem sehr ruhig waren und die übrigen Hoteleinrichtungen allen Anforderungen entsprachen, war der Aufenthalt in diesen vier Nächten sehr angenehm.

Zweiter Tag – Donnerstag, 20.6.:

Tag 2 führte uns in die Stahl-Hauptstadt des Ruhrgebiets Essen. Eine örtliche Reisebegleiterin zeigte uns im Rahmen einer 2-stündigen Stadtrundfahrt den neuen Krupp-Gürtel, Universität, das Gründerhaus der Krupp-Dynastie und die Thyssen-Krupp-Zentrale das UNESCO-Welterbe Zollverein mit Kokerei und Schacht XII. Weiter ging es an durch bergbaulich verursachte Schäden an Wohnhäusern zur Alten Synagoge, dem Museum Folkwang, der Grugahalle und dem Grugapark zur Gartenstadt Margarethenhöhe (Ausstieg) und weiter zum Baldeneysee und zur Villa Hügel. Wir waren schwer beeindruckt von diesem ehemaligen Wohnhaus des gehobenen Bürgertums der Familie Krupp, das mit seinen 269 Räumen und 8100 m² Wohn- und Nutzfläche, herrlich gelegen in einem 28 ha großen Park aber weit mehr ist, als nur ein Unternehmerwohnsitz, die Villa ist ein Symbol der Industrialisierung Deutschlands.

Während der Mittagspause in Essen überraschte uns dann das bereits erwähnte Gewitter, zum Nachmittagsprogramm hellte sich der Himmel aber wieder auf. Einige blieben in der Essener Innenstadt, um u. a. den Dom mit der Goldenen Madonna, der ältesten erhaltenen Skulptur des frühen Mittelalters und dem gleichzeitig ehrwürdigsten und bedeutendsten Kunstwerk des Ruhrgebiets, einen Besuch abzustatten, die Mehrheit fuhr weiter zur Zeche Zollverein. Auch dort gab es zwei Angebote, Führungen „Über Kohle und Kumpel“ oder der Besuch des Red Dot Design Museums.




Bei der sehr interessanten Führung durch die Übertageanlagen des Schachtes XII lernten wir die Technik und die Arbeitsbedingungen der Bergleute in der ehemals größten und leistungsfähigsten Steinkohlenzeche der Welt kennen, den Weg der Kohle von der Schachthalle über die Sieberei bis zur Aufbereitung und Verladung, das alles in einer beeindruckenden Architektur und vor dem Hintergrund des facettenreichen Wandlungsprozesses von der Zeche zum modernen Kulturstandort.

Auch das Red Dot Design Museum entpuppte sich als ungewöhnliche Ausstellung, beherbergt das von Sir Norman Foster umgestaltete Kesselhaus doch etwa 1000 mit dem international renommierten >red dot design reward< ausgezeichneten Gegenstände, vom Audi A8 aus Aluminium über Kühlschrank und Sitzmöbel bis hin zu Toaster oder Smartphon und Armbanduhr. Alles durfte angefasst und hautnah erlebt werden, mal was ganz Besonderes.



Am Abend stand für 20 Mitreisende noch der Besuch des Musicals Starlight Express auf dem kulturellen Speiseplan. Erleben durften sie eine Neufassung des seit 25 Jahren in Bochum beheimateten „rasantesten Musicals des Universums“, des erfolgreichsten in der ganzen Welt. Die Nacht der Weltmeisterschaft der Lokomotiven mit Bobo, Turnov, Rusty, Greaseball, Hashamoto und Electra begeisterte auch unsere Musicalbesuchergruppe.

Dritter Tag – Freitag, 21.6.:

Am Freitag endlich wieder Fußball – diesmal waren wir bei einem Mythos zu Gast, nämlich „auf Schalke“. Im Focus stand die Veltinsarena, ein 12 Jahre altes technisches Sahnestückchen und nach wie vor das modernste Stadion Europas. Zwei S04-Fanführer erklärten uns stolz ihr Stadion, die heraus fahrbare Rasenschublade, das sich in 30 min öffnende Dach, die bei Konzerten verschiebbare Tribüne, den „Löwenkäfig“ für die Gäste, den einmaligen Videowürfel, die Kabinen der Spieler (die Bayern müssen kalt duschen!), die VIP-Ebene, die erste Kapelle, die 22 Gastronomiebereiche mit 14 km Bierleitung!, den Presseraum (da war doch was!) und natürlich das Stadion selbst. Dabei lernten wir auch, dass der BVB aus Dortmund eigentlich „Lüdenscheid-Nord“ heißt (denn ein Schalker nimmt den Namen Dortmund nie in den Mund) und in den Katakomben 20 Tanks Bier a 1000 l und Reserven in Tankzügen außerhalb lagern, um die Fans bei Heimspielen in beste Stimmung zu versetzen. Ein großes Problem haben sie aber auf Schalke trotzdem: sie werden nie Meister! (Witz: Was macht ein S04-Fan, wenn Schalke Meister wird? Er macht die Playstation aus und geht ins Bett!). Zum Abschluss statteten wir noch dem Schalke-Museum einen kurzen Besuch ab und dann war klar: auch „Nichtfußballfachleute“ hatten einen Riesenspaß getreu dem Motto: „Kommse mit auf Schalke?“.



Mittags ging die Fahrt weiter nach Wuppertal, das streng genommen schon zum Bergischen Land gehört. Dort erfüllten sich viele einen Traum, eine 35 min Fahrt mit der Schwebebahn von Vohwinkel nach Oberbarmen. Wirklich ein Traum? Holzklasse – es ruckelte und wackelte, ächzte und knackte – kein Wunder also, das Tuffi das kleine Elefantenmädchen, das vor 50 Jahren für einen Werbegag in die Bahn verfrachtet wurde, dort Angst bekam, in Panik die Fenster eindrückte und kopfüber in die Wupper sprang. Sie überstand den Sturz damals ebenso unversehrt wie auch wir geschüttelt (nicht gerührt) aber unfallfrei in Oberbarmen ankamen und um die Erfahrung reicher, dass „schweben“ je aus welchem Blickwinkel man es sieht, unterschiedlich interpretiert werden kann. Eine entspannende Rundfahrt durch Wuppertal und das nahe Bergische Land mit anschließender Freizeit (da kam der zweite Regenguss) rundete den Nachmittag ab.

Das Bermuda3eck in Bochum, größtes und bekanntestes Restaurant- und Kneipenviertel im gesamten Ruhrgebiet, stand am Abend auf dem Programm. Da wir alle hungrig waren (Mittagessen war ausgefallen) stürzten wir uns ins „Bratwursthaus“ (die beste Currywurst der Welt), ins „Ullrich“ (Schnitzelhaus), ins „El Toro“ (span. Steakhaus) oder in einen der vielen Italiener, Mexikaner, Chinesen…Einige fanden die Currywurst so lecker, dass sie der Verlockung, original Currywurstsauce mitzunehmen, partout nicht widerstehen konnten (400 g 3 €, 1 kg für 6 € oder 5 kg für 18 €).

Vierter Tag – Samstag. 22.6.:

Ausflug ins nördliche Ruhrgebiet und an den Niederrhein. Über die A 42 und die A 57, vorbei am Bottroper Tetraeter, am Oberhausener Gasometer und entlang des Emscher Landschaftsparks, der sieben regionale Grünzüge in den 70er Jahren zum Revierpark Ruhr vernetzte, erreichten wir Kevelaer, Nordwesteuropas größten Wallfahrtsort. Um 10 Uhr zelebrierte dort der Bischof von Trier, Dr. Stephan Ackermann, in der Basilika ein Pontifikalamt, ein Großteil von uns ließ sich diese Gelegenheit natürlich nicht entgehen.

Unmittelbar anschließend erlebten wir eine amüsante und lehrreiche Führung durch die Gläserne Hostienbäckerei in Kevelaer. Inhaber Thomas Held klärte uns auf über die Herstellung von Brothostien, weißer Hostien oder der glutenfreien bzw. glutenreduzierten Hostien, denen allen eines gemeinsam ist: sie bestehen nur aus reinem Mehl und reinem Wasser.

Anhand von zwei schönen, großen Bildern der Künstlerin Yolaine Schmeltz erklärte uns Herr Held z. B., was unser Heil mit dem Heil der Israeliten und dem Paschafest, das Jesus mit seinen Jüngern gefeiert hat, zu tun hat. Kostenfrei gab er uns eine kleine Katechese über die Eucharistie.

Am Nachmittag ging es den kurzen Weg zur Römerstadt Xanten. Weltbekannt der Archäologische Park, für Freunde der römischen Kultur ein absolutes „muss“. Just an diesem Wochenende gab es als Schmankerl noch ein Museumsfest wo die stattliche Römercohorte Opladen mehrfach zur Parade aufmarschierte und ihr nachgebautes Katapult vorführte. Besonders beliebt auch die Gladiatorenschule Ludus Minimus, denn welcher Nachwuchsgladiator würde nicht davon träumen, einmal im Training den furchteinflößenden Murmillo oder den gepanzerten Secutor in den Staub zu schicken?

Eine zweite Gruppe unternahm mit dem Xantener Brunnenweib einen sehr kurzweiligen und amüsanten Rundgang durch die Xantener Innenstadt, wo uns u. a. der heute oft befremdliche Umgang mit Sauberkeit und Hygiene vergangener Zeiten näher gebracht wurde. Nun wissen wir auch, warum Jungfrauen nur im Dunkeln baden durften und warum während der Fastenzeit das Baden ganz verboten war. Es gab viel zu schmunzeln und zu lachen über den Brauchtum und den Aberglauben von früher, über Moralisten und Frivolitäten. Zudem wissen wir jetzt auch einige Mitreisende besser einzuschätzen (angeblich ist der eine ist keusch und eine andere leichtlebig!).



Fünfter Tag – Sonntag, 23.6.:

Und am Sonntag hieß es bereits wieder Abschied nehmen – diese fünf Tage sind wirklich wie im Flug vergangen. Doch zwei Events standen uns noch bevor, der Besuch des Deutschen Bergbaumuseums in Bochum und das nachmittägliche Abendessen in Hofheim. Doch der Reihe nach. Ein extrem gut gelaunter und pfiffiger „Bergmann“ brachte uns 20 m unter die Erde zum 2,5 km langen und 10° C kalten Anschauungsbergwerk, wo wir einen authentischen Eindruck in die Welt des Bergbaus bekamen und so die Arbeitsbedingungen und Betriebsabläufe des Steinkohlen- und Eisenerzabbaus von den Anfängen bis heute kennen lernen durften. Von ganz unten ging es dann hinauf nach ganz oben auf den 68 m hohen Förderturm, der einen beeindruckenden Blick über Bochum und das gesamte Ruhrgebiet ermöglichte. Zum Abschluss warfen wir noch einen Blick in die 20 Ausstellungshallen, wo das Museum mit seinen reichen Sammlungsbeständen, die in ihrer Vielfalt einmalig auf der Welt sind, ein Zentrum der Montangeschichtsforschung bildet. So wird dem Laien wie dem Fachmann die Entwicklung des Bergbaus im wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Umfeld anschaulich dargestellt.

Ein „letzter Höhepunkt“ dann das XXXXXL Restaurant Waldgeist in Hofheim/ Taunus. Auch wenn alle hungrig waren (es war ja schließlich schon 15.30 Uhr und das Mittagessen auch wieder ausgefallen war), wurden wir von der Mächtigkeit der „normalen“ Portionen überrascht. Kaum jemand konnte seinen Teller leer essen, zu Hilfe kam da entweder der Schnorrteller oder die Alufolie, mit der ein Großteil der Mahlzeit mit nach Hause genommen wurde.




Für diese tolle Reise an dieser Stelle noch einmal ein großes Dankeschön den Organisatoren von RULI-Reisen, an Kassenwartin Eva Bofinger und auch an die immer bestens gelaunte Reisegruppe, die sehr interessiert diese zum Teil auch anstrengenden Tage „durchgehalten“ haben. Wir freuen uns schon heute auf die Tagestour 2014 nach… ??

08/13 – OL