Jahresausflug nach SAAR-LOR-LUX

vom 24. bis zum 28. Juni 2009

Ein „best of“ aus drei Regionen erlebten die 43 Teilnehmer des Kirchenchores bei ihrer 5-tägigen Reise vom 24.06. bis 28.06.2009 ins Dreiländereck SAAR-LOR-LUX. Für viele war es eine Reise in die wechselvolle Deutsch-Französische Vergangenheit, aber im neu geschaffenen Europa auch eine Reise mit hoffnungsvollem Blick in eine friedliche gemeinsame Zukunft. Der Chor besuchte gepflegte Städte und romantische Landschaften, erlebte Industriekultur pur und spannte einen Bogen von den Kunst- und Stilepochen der Antike bis zur Neuzeit.

Erster Tag – Mittwoch, 24. Juni 2009:

Die Anreise ins Saarland am Mittwoch wurde am Forsthaus Beckenhof bei Pirmasens unterbrochen mit dem schon traditionellen Frühmorgenumtrunk am Bus mit badischem Wein und Brezeln, bevor unsere örtliche Reisebegleiterin Frau Britta Hess uns mit einer Kollegin zum Stadtrundgang durch Alt-Saarbrücken und St. Johann empfing. Wir lernten eine ganze Reihe historisch bedeutsamer Gebäude kennen, die Ludwigskirche mit Ludwigsplatz, die Schlosskirche sowie das Schloss mit den umliegenden Palais, auf der anderen Saarseite den St. Johann Markt umrahmt von alten Häusern, das Rathaus und die Basilika St. Johann, alles sehr schön restauriert und präsentabel. In der Mittagspause wurden erste Kontakte zur heimischen Küche geknüpft, zu „Dibbelabbes“ und „Gefillte“.

Am Nachmittag beeindruckten uns die Ausmaße des Weltkulturerbes Völklinger Hütte, ein mehr als 100 Jahre altes Eisenwerk, wo alle Phasen der Roheisenerzeugung am authentischen Ort nachvollziehbar sind, einzigartig auf der Welt. Verwehrt war uns nur der Zugang zur Gebläsehalle, weil unsere Kanzlerin „es Angela“, wie der Saarländer sagt, ihren zeitgleichen Besuch angekündigt hatte, auch da war und der Blickkontakt von uns zu ihr nur um läppische fünf Minuten verpasst wurde.

Zweiter Tag – Donnerstag, 25. Juni 2009:

Der zweite Tag führte uns ins benachbarte Lothringen, zuerst in die Stadt des Lichts nach Metz. Wir waren angenehm überrascht von dieser sehr gepflegten Gartenstadt, wo auf jedem Platz Blumenarrangements das Auge erfreuten. Wie die meisten Metzer Gebäude ist auch der gotische Dom aus dem gelben Kalkstein von Jaumont erbaut. Beeindruckend die Höhe des Kirchenschiffes mit 42 m, stolz weist die Kathedrale ihre 6500 m2 Buntglasfenster vor, die sie zu den am meisten durch Licht durchbrochenen Fenstern Frankreichs zählen. Besondere Sehenswürdigkeiten sind das Taufbecken (ehemalige römische Badewanne), der Bischofsthron aus dem 7. Jhrh. und die kleine Schwalbennester-Renaissanceorgel (1537), die im Hauptschiff hängt. Die Buntglasfenster des Doms wurden vom 13. bis zum 20. Jhrh. von außergewöhnlichen Künstlern, wie Herman von Münster, Valentin Bousch, Maréchal, Jaques Villon und Marc Chagall geschaffen.

Auch weitere herausragende Sehenswürdigkeiten wie der klassizistische Bahnhof, das Rathaus, die Markthalle (ehemaliger Bischofspalast), die Präfektur, der Justizpalast, das Arsenal, der Gouverneurspalast oder das Deutsche Tor, um nur einige zu nennen, standen im Rahmen einer Stadtrundfahrt bzw. -rundgangs auf dem Plan.

Da Besichtigungen ja bekanntlich nicht nur hungrig, sondern auch durstig machen, verspeisten wir in einem typischen Altstadtlokal zuerst eine hervorragende Quiche Lorraine, danach gab es zur Verdauung in der Brennerei Mirabelle Maucourt in Vezon einen ausgezeichneten Schnaps mit 45 % „Alohol“. Lothringen gilt ja als Eldorado für den Mirabellenbrand und so war es nicht verwunderlich, dass unsere Reisegruppe den Geist in den Flaschen (0,7 l von 22 € bis 64 €!) ausgiebig verkostete, sich für den heimischen Gebrauch dann aber die preiswerteren Gebinde einpacken ließ.

Tradition bei uns haben auch die täglichen Kaffeepausen am Bus, wo von unseren Damen selbst gebackener und ein paar Tage haltbarer Kuchen, mit im Bus frisch gekochtem Kaffee, jeden Tag ausreichend Freunde fand.

Ganz sicher der Höhepunkt des Tages dann die Führung durch das Chateau de Pange durch den Hausherrn, den Marquis de Pange und seine Frau, die Marquise.

Die wunderschöne zeitgenössische englische Gartenanlage aus dem 18. Jahrhundert, übrigens direkt an einem der Jakobswege gelegen, ist „dem Erwachen“ gewidmet und so wurden wir von der Landschaft unmittelbar angesprochen. Dieses Kleinod der Gartenkunst und die Zimmer des Schlosses, verknüpft mit interessanten Geschichten und Geschichtchen des eloquenten und sehr charmanten Marquis de Pange werden uns sicher noch lange in Erinnerung bleiben. Der Herr Marquis ließ es sich nicht nehmen, uns bis zum Bus zu begleiten, um – äußerst sympathisch – unser kleines Weinpräsent verschämt in seine Jacke einzuwickeln und zu verstecken. Denn, wie sieht das aus: ein Marquis mit einer Flasche Rotwein auf der Gasse…



Am Abend erwartete uns das Flair Parkhotel in Weiskirchen, sehr schön inmitten des Naturparks Saar-Hunsrück gelegen. Auch wenn die umfangreichen Hotelangebote wie Beautyfarm mit Vitalis-Centrum und 25 m Hallenbad oder die 200m2 Saunalandschaft wegen des straffen Programms nur sehr eingeschränkt genutzt werden konnten, wenigstens der gegenüberliegende Kurpark mit See und der Staudengarten, wurde von den meisten Reiseteilnehmern bei einem kleinen Spaziergang am frühen Morgen oder späten Abend besucht. Das Speiseangebot im Restaurant „Vier Jahreszeiten“ war sehr ansprechend, aber zumindest an einem Abend war der Barkeeper in der Brasserie vollkommen überfordert, als unsere Truppe unvorbereitet acht Cocktails Marke „Caipirinha“ bestellte. Da brach kurz Chaos aus und das halbe Hotel war auf den Beinen, um die entsprechenden Zutaten zu organisieren.

Dritter Tag – Freitag, 26. Juni 2009:

Den dritten Tag verbrachten wir im Saarland.

Gelder aus der Europaschatulle machen es möglich, dass es im Saarland inzwischen mehrere Duzend attraktive und touristisch erschlossene Reiseziele gibt. So hat man die Qual der Wahl. Auf Anregung unserer Reisebegleitung fuhren wir bei herrlichem Wetter durch das St. Wendeler Land in die ehemalige Residenzstadt Ottweiler. Dort unternahmen wir einen gemütlichen und kurzweiligen Rundgang durch die historische Altstadt von Ottweiler, einem typischen Saarlanddorf mit sehr gepflegten handwerklichen Fachwerkbauten, verwinkelten Gassen und malerische Plätzen.

Da Frau Hess auch ausgebildete Bergwerksführerin ist, war es möglich, mit ihr das Zechengelände der aufgelassenen Zeche Göttelborn, eines der größten und bekanntesten Grubenstandorte im Saarland, zu betreten und auf die 75 m hohe Bühne des 92 m hohen Förderturmes zu fahren. Der Rund um Blick auf die ehemaligen Bergmannssiedlungen, die großartigen Industriearchitekturen, den Solarpark und die saarländische Hügellandschaft, war phantastisch. Das gesamte Areal befindet sich in einen Prozess der ökonomischen Umnutzung, hier entsteht ein Zukunftsort mit aufregenden Bildern, der die historischen Gebäude und Landschaften aufgreift und im gewünschten Sinne umformt. Nach der Besichtigung erwartete uns in der Kantine „Flöz“ ein typisches Bergmannsfrühstück, ein „3-Gang-Menü“, Lyoner mit Brötchen und Senf.

Nächster Besuchspunkt war die Festungsstadt Saarlouis, wo die Vergangenheit auf Schritt und Tritt lebendig ist. Der Empfang im Rathaus durch „es Gabi“ war zwar sehr freundlich und warm, aber auch extrem „trocken“. Ein Teil der alten Festungsanlagen der von Vauban entworfenen Stadt wird zur Zeit wieder frei gelegt, die historischen Kasematten stehen neben vielen anderen sehenswerten Gebäuden aus französischer und preußischer Zeit für die Sorgfalt, mit der die Stadt Saarlouis ihr historisches Erbe bewahrt hat. Da es sehr warm war, freute sich eine Eisdiele im Stadtzentrum über den Besuch des kompletten Busses bzw. dessen Insassen.

Das Besichtigungsprogramm des heutigen Tages abgeschlossen wurde am Denkmal für die Deutsch-Französische Aussöhnung in Berus und anschließend mit der Besichtigung der Orannakapelle. Der Chor ließ es sich nicht nehmen, in der Kapelle ein Lied zu Ehren der hl. Oranna anzustimmen, die als Patronin des Saargaus und von ganz Deutsch-Lothringern gilt und von den Gläubigen insbesondere bei Ohrenleiden und Schwindel angerufen wird.

Vierter Tag – Samstag, 27. Juni 2009:

Auch am Samstag strahlte die Sonne vom Himmel, als wir uns in der römischen Villa Borg auf eine Zeitreise 2000 Jahre zurück begaben.



Seit 1987 wird in Borg südlich von Mettlach eine der größten römischen Villenanlagen im Saar-Mosel-Raum wissenschaftlich ausgegraben und die laufenden Arbeiten fördern stets neue „alte“ Schätze zu Tage und verändern das Erscheinungsbild der Villa fast täglich. Die multimediale Diashow und der anschließende Rundgang durch die rekonstruierte Villenanlage waren spannend und interessant. Der Besuch des archäologischen Museums, die antiken Badeluxus-Anlagen, die römische Taverne und die harmonischen Gartenanlagen vermittelten Geschichte auf faszinierende Art. Wer heute schlemmen möchte wie die alten Römer und den Geist des römischen Altertums mit allen Sinnen erleben möchte, der hat dort die beste Gelegenheit. Nach Rezepten des römischen Feinschmeckers Marcus Gavius Apicius wird gekocht und man bekommt z. B. Ova Elixa, Lenticulum et Lucanicae, Aliter dulcia oder Agnus Tarpeianus. Was das ist? Die Villa Borg gibt darauf eine Antwort.

Zu SAAR-LOR-LUX fehlt jetzt nur noch das Großherzogtum Luxemburg. Seine lange Geschichte ist untrennbar mit der seiner größeren Nachbarn Belgien, Frankreich und Deutschland verbunden und wurde von zahlreichen Staaten und Herrschaftshäusern regiert, aber seit dem 10. Jahrhundert ist es eine getrennte, wenn auch nicht immer autonome politische Einheit. Auf einer Stadtrundfahrt bekamen wir einen Eindruck von der herrlichen Lage der Stadt, bei einem Rundgang und dem Abstieg in die Altstadt „Am Grund“ schlenderten wir an vielen Sehenswürdigkeiten vorbei wie der Festung mit den Kasematten, dem Viadukt, der Kathedrale, der Heilig-Geist-Kirche, dem Großherzoglichen Palais, dem Rathaus, dem Stadtpalais und wir bummelten über den Fischmarkt und den Paradeplatz. Natürlich war auch hier die Zeit viel zu kurz, wären wir aber länger geblieben, hätte uns ein heftiger Gewitterschauer im Freien überrascht.

So saßen wir, als Petrus für kurze Zeit seine Schleusen öffnete, wieder im Bus auf der Fahrt ins obere Moseltal nach Perl-Nennig und freuten uns auf die bevorstehende Weinprobe.
Schon die Römer legten den Grundstein des Weinbaues an der saarländischen Mosel. Sie schätzten das günstige Mikroklima und die tiefgründigen mineralstoffhaltigen Muschelkalkböden, die für die Burgunderweine rund um die Winzerdörfer Nennig, Oberperl, Perl und Sehndorf eine ausgezeichnete Grundlage bildeten. Die Wein- und Sektprobe im Besen von Gerd Petgen enttäuschte uns nicht, neben einem spritzigen Sekt aus Blauen Spätburgundertrauben verkosteten wir den Weißen Burgunder, den Auxerrois, den Elbling sowie den Grau- und Spätburgunder, insgesamt sechs Weine – Lecker, Lecker… Mit jedem Glas wurde die Stimmung lustiger und ein Gast am Stammtisch meinte: „Schade, jetzt wo Eure Sangeskunst auf dem Höhepunkt angelangt ist, geht ihr wieder“.

Fünfter Tag – Sonntag, 28. Juni 2009:

Auch der Rückreisetag bot noch volles Programm. Bereits früh am Morgen standen wir auf dem Aussichtspunkt Cloef bei Orscholz und blickten auf die Saarschleife und die dort traumhaft schöne, das Auge beruhigende Landschaft.

Dann ging es zum Erlebniszentrum der Firma Villeroy & Boch nach Mettlach. Die über 250 Jahre alte Abtei, in der die Firma seit 200 Jahren residiert, gilt heute als eines der schönsten Fabrikgebäude der Welt. Hochinteressant der Film in der Keravision über die Firmengeschichte mit Führung durch die Ausstellung „250 Jahre Porzellanherstellung“ und das Keramikmuseum.
Natürlich durfte nach dem Mittagessen, das ein großer Teil unserer Reisegruppe in der Mettlacher Abteibräu verbrachte, ein kurzer Einkaufsbummel in diverse Outlets in Mettlach nicht fehlen, die meisten Damen kamen denn auch schwer bepackt wieder zurück zum Bus.

Das Wahrzeichen der Rosenstadt Zweibrücken und Anziehungspunkt nicht nur für Gartenfreunde aus aller Welt ist der Rosengarten, eine grüne Oase inmitten der Stadt.

Über 60.000 Rosen in mehr als 2.000 verschiedenen Arten und Sorten blühen und gedeihen in einer stilvoll gestalteten Umgebung von Gehölzen und Blumen, Teichen und Weihern auf über 50.000 qm. Auch wir erfreuten uns bei einem Rundgang an der Symbiose aus Nostalgie und moderner neuzeitlicher Architektur, die den Charme der Parkanlage ausmacht. Es war schon ein Erlebnis, die unzähligen Bäume, Sträucher, Gräser, Pavillons, Brunnen, Skulpturen und vieles mehr in diesem herrlichen Garten genießen zu dürfen.

Zum traditionellen Abschluss kehrten wir zum Abendessen im Gasthaus „Zum Schwanen“ in Landau-Dammheim ein, wo wir schnell und freundlich mit Pfälzer Spezialitäten und Leckereien aus Omas Kochbuch, versorgt wurden.

Die Reise war vom Team „Externe Veranstaltungen“ ausgezeichnet vorbereitet und organisiert, auch die Reisebegleitung vor Ort klappte perfekt. Die Reisegruppe hatte immer beste Laune und auch einem wichtiges Motto des Saarländers: „Hauptsach` gut gess“ haben wir uns, insbesondere in unserem 4-Sterne-Hotel in Weiskirchen, gerne ergeben.



Für diejenigen, die sich näher über unsere Unterbringung, unsere Besichtigungsstationen und Führungen befassen wollen um diese womöglich in eine eigene Urlaubs- oder Ausflugsplanung mit ein zu beziehen nachfolgend einige Links:

Wir fuhren mit einem Bus der Firma Wöhrle, Oberderdingen

17/07/09-OL/BS