Reise in die Zentralschweiz

vom 18. bis zum 21. Juli 2002

Ein Reisebericht von Gunter Grünwedel

1. Tag / Donnerstag, 18. Juli

Am Donnerstag früh um 6.00 Uhr stand der Bus bereit um uns nach Luzern am Vierwaldstätter See zu bringen. Bange Blicke der TeilnehmerInnen richteten sich gen Himmel, denn Stunden zuvor hatte es noch wolkenbruchartig geregnet.

Beim Start um 6.30 Uhr wähnten wir uns zwar im Frühnebel eines Oktobertages. Aber als uns auf der Autobahn, kurz vor Basel nach tagelangem Unwetter die ersten Sonnenstrahlen erreichten, erhellten sich unsere Mienen. Dazu trug auch eine Vesperpause am Sempacher See bei, wo wir uns mit vom Verein gestifteten Brezeln und Getränken stärken konnten.

Um 11.30 Uhr trafen wir in Luzern ein, um sofort bei einem Stadtrundgang durch unseren exzellenten Reiseleiter die Sehenswürdigkeiten dieser Stadt (Kapellbrücke mit Wasserturm, barocke Jesuitenkirche, Spreuerbrücke und die Altstadt mit Zunfthäusern und Lüftlmalereien sowie Rathaus im Renaissancestil) kennen zu lernen. Bereits während der Busfahrt hatten wir von ihm viel Wissenswertes über die Geschichte Badens und natürlich über die Schweiz erfahren.

Pilatus, Bürgenstock, Rigi und die Obwaldner Gipfel zieren Luzern wie Theaterkulissen.

Nach dem Lunch in der Altstadt bzw. am Reussquai und Einchecken im Hotel Dreikönige stand am Nachmittag die Besichtigung der Glasi, einer Glashütte in Hergiswil, mit Direktverkauf auf dem Programm. Danach konnten wir uns am Seeufer bei Kaffee und Kuchen so herrlich entspannen.

Mit einem guten Abendessen im Hotel und einem gemütlichen Stadtbummel in Luzern klang der Abend aus.

2. Tag / Freitag, 19. Juli

Zu Beginn unseres Ausfluges nach Engelberg hofften wir, die majestätischen Berge in voller Pracht erleben zu können. Wir hatten Glück, da sich im Laufe des Vormittags die Wolken um die Gipfel nach und nach auflösten.

Anlässlich ihres Geburtstages spendierte uns eine Sängerin im Schatten der Benediktinerabtei Engelberg ein Sektfrühstück mit Gebäck.

Bei der anschließenden Führung durch das Stift erfuhren wir die Klostergeschichte und waren erstaunt, wie viel Schönes und Praktisches in Holz, Metall und Stein kunstliebende Laienbrüder geschaffen haben. In der sehenswerten barocken Kirche mit geschnitztem Chorgestühl erfreuten wir uns an einem kleinen Orgelkonzert auf der größten Orgel der Schweiz.

Diejenigen, welche die Fahrt auf den schneebedeckten 3238 m hohen Titlis mit der Gondelbahn (die Kabine dreht sich während der Fahrt über dem Gletscher um die eigene Achse) nicht scheuten, wurden mit einer grandiosen Fernsicht auf eine fantastische Alpenkette u.a. Schreckhorn, Eiger, Mönch und Jungfrau, belohnt.

Am späten Nachmittag trafen wir in Flueli-Ranft ein. Nach einer Kaffeepause mit von unserer Vorsitzenden gestifteten Linzertorte, besichtigten wir das Geburtshaus, das Wohnhaus sowie die zwei Kapellen in der Ranftschlucht mit der ursprünglichen Klause des hl. Bruder Klaus.

Auf der Rückfahrt nach Luzern machten wir in Sachseln am Sarner See Halt. In der dortigen Wallfahrtskirche mit Grab und Rock des Heiligen bedankten wir uns für den schönen Tag mit einem Kanon.

Wer wollte, konnte am Abend noch durch die Gassen Luzerns bummeln und die tolle Atmosphäre am Reussquai bzw. Seeufer mit über die Toppen beleuchteten Schiffe und Schiffsgaststätten genießen.

3. Tag / Samstag, 20. Juli

Pünktlich waren wir am Luzerner Bahnhof, um noch die Ankopplung des für uns reservierten Wagens an die Brünigbahn, die einzige Meterspurbahn der SBB, zu erleben. Diese romantische Schnellzugfahrt führte über Horw, Hergiswil, Sarnen und Sachseln am Sarner See, Giswil, Kaiserstuhl, Lungern (Lungernsee), Brünig-Hasliberg, Meiringen, Brienz und Oberried am Brienzer See in der fahrplanmäßigen Zeit von 1 Std., 55 Min. nach Interlaken-Ost. Von Lungern bis Brünig-Hasliberg (Pass 1008 m) fährt der Zug im Zahnradbetrieb 40 km/h auf einer Strecke, die viermal steiler als die der St. Gotthardbahn ist.

In Interlaken wieder mit dem Bus machten wir nach kurzer Fahrt wegen des einzigartigen Blicks auf die Jungfrau einen kurzen Fotostopp.

Auf der Weiterfahrt durch das Lauterbrunnental Richtung Stechelberg war die Landschaft von mächtigen Bergen, nacheinander Jungfrau, Jungfraujoch, Eiger, Schreckhorn, Mittagshorn und Breithorn – fast alles Viertausender- geprägt.

Kurz vor Stechelberg besichtigten wir die Trümmelbach-Wasserfälle, eine enge Klamm, in der die Wassermassen mit ohrenbetäubendem Getöse und voller Wucht in die Tiefe stürzen. Danach schmeckte uns das Mittagessen in Stechelberg besonders gut.

Die Rückfahrt ging wieder der Weißen und Schwarzen Lütschine sowie dem Brienzer See entlang, an Meiringen vorbei mit Panorama der Urner Alpen, etwas die Aare aufwärts zu unserem zweiten Etappenziel des Tages, die 1400 m lange Aareschlucht.

Nachdem wir diese imposante, wildromantische Schlucht mit geologischem Lehrpfad durchwandert hatten, brachte uns eine Kaffeepause die nötige Erholung.

Über den Brünigpass, am Lungernsee und Sarner See entlang trafen wir schließlich wieder in Luzern ein, wo uns an diesem Abend besonders das Alpenglühen am Pilatus und das Pantomimespiel an der Kapellbrücke begeisterte.

4. Tag / Sonntag, 21. Juli

Heute hieß es schon wieder Abschied nehmen von Luzern und vom Vierwaldstätter See. Doch der See und die Berge wie Titlis, Bürgenstock, Rigi, Kleine und Große Mythen begleiteten uns noch eine ganze Weile.

Nach der Fahrt durch den 9,3 km langen Seelisberg-Tunnel war in Altdorf unser erster Halt. Dieser Urner Hauptort soll 1291 Schauplatz der berühmten Apfelschuss-Szene gewesen sein. Wir besichtigten deshalb das riesige Telldenkmal (1895) auf dem Rathausplatz vor einem mittelalterlichen Turm aus dem 13. Jh.. Am Tellspielhaus (alle 3 Jahre finden dort Tellspiele nach Schillers Drama statt) vorbei führte uns der Rundgang noch zum Zeughaus Uri mit historischen Kanonen.

Über Flüelen, mit Blick über den Urner See nach Seelisberg, auf die Rütliwiese und den Schillergedenkstein, vorbei an den Orten Brunnen und Schwyz, durch den gleichnamigen Kanton erreichten wir rechtzeitig Einsiedeln um am 11 Uhr-Gottesdienst teilzunehmen. Zuvor war es noch möglich, im Klostergarten die Pferdezucht des dem Kloster angeschlossenen Landwirtschaftsbetriebes zu besuchen, zum Schluss des Pontifikalamtes vor dem Gnadenbild zu verweilen und von unserem Reiseleiter Informationen über Kloster und Kirche zu erhalten.

Einsiedeln ist der bedeutendste Wallfahrtsort der Schweiz. Die Benediktinerabtei Einsiedeln wurde 934 an der Stelle gegründet, wo ein Einsiedler von Räubern erschlagen worden war. Mittelpunkt der heutigen 1674-1770 errichteten Anlage ist die monumentale, in überaus prunkvollem Barock ausgestattete Stiftskirche. Neben hohen Säulen, üppigen Stuckarbeiten und bunten Glasfenstern beeindrucken besonders die Freskenmalereien der Gebrüder Asam und ein schmiedeeisernes Chorgitter. Ein Kleinod aber ist die holzgeschnitzte „Schwarze Madonna“ aus dem 15. Jh. in der achteckigen Gnadenkapelle am Ende des Langschiffs.

Wegen eines Triathlons in Zürich und der deshalb erfolgten Straßensperrungen war es uns nicht möglich, in Zürich das Fraumünster oder Großmünster zu besichtigen. Wir fuhren daher über Pfäffikon und Rapperswill am Nord- bzw. Ostufer des Zürichsees entlang, in Zürich am Bahnhof vorbei und konnten so umleitungsbedingt mehr vom See sehen, als dies bei der ursprünglich geplanten Autobahnfahrt der Fall gewesen wäre.

Die abgeänderte Reiseroute ging weiter über Winterthur nach Schaffhausen, wo wir am Rheinfall eine kleine Pause einlegten.

Richtung Villingen-Schwenningen, durch das Gutach- und Kinzigtal über Offenburg trafen wir um 19.30 Uhr wohlbehalten in Jöhlingen ein.

Mit Lob und Dank an den Busfahrer, den Reiseleiter und unsere Vorsitzende beendeten wir diese erlebnisreiche, hervorragend organisierte Reise, zu der natürlich auch das schöne Wetter in nicht unerheblichem Maße beigetragen hat. Wir freuen uns schon auf die nächste Reise mit dem Cäcilienverein.

Gunter Grünwedel / im August 2002