„Narri, Narro und auch Hellau – Fasnacht feiert der CeVau“

Bericht vom Fasching 2012

Ganze Arbeit hatte wieder das „Vorauskommando“ am Freitag geleistet, denn der Martinussaal war mit glitzernden Girlanden und ganzen Trauben von bunten Luftballons toll geschmückt. Dazu grüßten lustige Clowns von den Wänden und vom Bühnenvorhang. Pünktlich zur Saalöffnung um 19 Uhr strömten die Narren in den Saal und als es um 19:59 Uhr hieß: „Narri, Narro und auch Hellau – Fasnacht feiert der CeVau“, da herrschte bereits eine erwartungsvolle und prächtige Stimmung.



Perfekt organisiert wurde der Abend von Tanja Koch und Valentin Ruppert, der auch die Bühnenmoderation des Abends übernommen hatte und dies als bekannte „Rampensau“ auch ganz prima machte. Nach seiner Begrüßung wurde erst mal zur Auflockerung das Tanzbein geschwungen. Alleinunterhalter Christian Eichler spielte mit toller Tanzmusik auf, die Tanzfläche war deshalb den ganzen Abend bis spät in die Nacht immer bestens besucht.



Die Bar im hinteren Saalbereich wurde von zwei extrem „langen“ Zwergen (Beate und Uwe Maier) betrieben und hinter dem Tresen brannte noch eine ausgesprochen hübsche „Kerze“ (Cora Maier). Die Getränkeauswahl war wieder reichlich, natürlich gab es Liobas hervorragenden Eierlikör im essbaren Schokobecher, neu war der „Drink Hugo“ (vereinzelt auch „Horschd“ genannt), Sekt mit Holundersirup und Limette, aber auch der Whisky aus dem schottischen Tal der Hirsche „Glenfiddich“ fand viele Interessenten und wurde zu später Stunde von offensichtlich sprachlich überforderten Genießern bei der Bestellung nur noch „Glen“ genannt.

In diesem Jahr war das Bühnenprogramm zwar etwas vortragslastig, aber eins vorweg: alle Büttenvorträge waren sehr gelungen und kamen beim Publikum bestens an. Zum dritten Mal „Jugend in der Bütt“: die 14-jährige Alicia Koch startete als „7. Kind einer Großfamilie“ hervorragend, auch wenn sie ihren Verdacht, dass Papa im Vorfeld zu viele Märchen gelesen hätte (7 Zwerge, 7 auf einen Streich) nicht belegen konnte. Bei ihr zu Hause herrschte permanent „Chaos pur“, denn ob im Badezimmer, in der Küche oder im Schlafsaal, nie war sie alleine und so träumte sie von einer Einzelzelle im Knast – der Ruhe wegen. Das Publikum ging beim Refrain toll mit, danke Alicia für Deinen schönen Vortrag.Super der Beitrag von Konny Grünwedel, die als Betreiberin des Friseursalons „Madame Silberlocke“ „am Kirchplatz hinne“ in unmittelbarer Nachbarschaft mit einem „sog. Etablissement“ meinte: „Siehst Du den Karl, der schon verschwitzt ganz heimlich um die Ecke flitzt, da weiß ich, der kriegt unbestritte, alles nur kei Haar geschnitte“. Konny erzählte haarsträubende Geschichten vom Ohrringsteche, vom Haarlack aus der Einwegspritze (wegen dem Ozonloch) und ihrem internationalen Personal „Franzi aus der Steiermark macht Shampoo nur aus Kräuterquark“ oder dem Türken Azul Iglü, der den schnellsten Messerschnitt in Deutschland macht, denn „der hat in Izmir noch vor Johre, pro Stunde 15 Schaf geschore“. Eine Kollegin, die mit (zu) dicken Brillengläsern so manchen Mann blutig rasierte, musste Friseurin Konny mit schlechtem Zeugnis entlassen: „heute schafft se mit dem selbe Wisch – bei Nordsee Karlsruh` und putzt Fisch“.

Beim nächsten Vortrag glänzte Monika Jakob mit ihrem Talent, sich mit Gestik und Mimik besonders „doof“ anzustellen: sie kam leider immer (viel) zu spät. Waren es zum Schulunterricht noch sechs Stunden, bei ihrer eigenen Hochzeit „mit Mann Heiner, der hat furchtbar geschielt, aber ich dachte, besser als keiner“, verspätete sie sich schon zwei Monate, als Nachthemdenverkäuferin, mit dem Auftrag Frühstück für die Kollegen einzukaufen, kam sie so spät, dass die bereits alle in Rente waren. Und als sie sich hypnotisch umkrempeln lassen wollte, kam sie natürlich wieder etwas zu spät zum vereinbarten Termin, der Hypnotiseur war bereits verstorben. Am Schluss allerdings meinte Monika: „Doch wenn Fasnacht kommt ins Land, da bin ich außer Rand und Band. Da bin ich hart wie Margarine, marschiere pünktlich auf die Bühne, um euch zu sagen, wie mir` s geht: an Fasnacht komm ich nie zu spät“. Na wenigstens etwas.




Die nun folgende Modenschau „Sac est en vogue“ – „Sack ist IN“ unserer Damen aus „Jöllingén“ war sicher der Knaller des Abends. Madame Beate (Maier) im feinen Schwarzen, mit Hut und roter Federboa stellte mit perfektem französischem Zungenschlag Karl Lagersacks „Odd Kotür“ vor. Zehn Topmodels glänzten auf dem Laufsteg und selbst Pfarrer Karlheinz Speckert hatte offensichtlich großen Spaß an den Darbietungen auf dem Laufsteg.







Los ging`s mit dem „Sac de pommes de terres, dem Kartoffelsack“, anmutig dargeboten von Mannequin „Annellüsse“ (Vollmer): „die Qualität sei auch heute noch einmalig, knackig, saftig und absolut schrumpelfrei – wie die Trägerin“. M. (steht für Mannequin) Kariin (Pitz) hatte als „Sac de clochard“ alle Utensilien dabei, die ein Clochard so unter den Brücken von Paris braucht, einen Überlebensbeutel mit Kurzen, die Bildzeitung und natürlich auch eine Pulle Vin Rouge. M. Maritta (Silvery) schwebte mit dem „Sac d`argent“, dem Geldsack“, über den Laufsteg, Kopfbedeckung aus Jetons, Gürtel aus Kleingeld gefertigt und die Schühchen (Gummistiefel) graziös und erdverbunden. Wie meinte Madame Beate: „gel, da macht ihr „Goggelauge“. Auch der „Sac de postale“, der Postsack, von M. Inge (Schuster) gefiel gut, wenn auch die Aussage: „wer kennt nicht die Freude, wenn etwas dursch diese Schlitz geschoben wird“ zuerst etwas missverständlich herüber kam. Natürlich ein Hingucker, der „Sac de gourmet, der Fressack“, umfangreich garniert mit Brötchen, Baguette und Würstchen, dezent vorgestellt von M. Tanja (Koch).






Schon hinter der Bühne zu hören, M. Monika (Jakob) mit dem „Sac de blah, blah, dem Labersack“. Handy am Ohr auch während der Präsentation, so soll das Sackoutfit aus einer ansonsten scheuen und ruhigen Dame eine berüchtigte Plaudertasche machen. M. Urschula (Schwab) präsentierte locker und luftig die neue Sommermode mit Hut, den „Sac de chiffon, den Lumpensack“ aus dem Hause Dior, erst als City-Modell, dann (nach einem aparten Striptease) als Strandmodell. Wenn Richard Neller am Sonntag beim Aufräumen die Müllbeutel suchte: jhier waren sie, verarbeitet in den „Sac pubelle, den Müllsack“. M. Barrbara (Helfrich), der wir an dieser Stelle sehr herzlich dafür danken , dass sie die Idee hatte und auch alle „Klamotten“ zur Verfügung stellte, führte beschwingt und jugendlich die in Farbe und Geruch erotisch knisternde Mode für die junge Generation vor. Schlicht und elegant, garniert mit Joghurtbechern und diversen Plastikelementen. Der „Sac de Nicola, der Nikolaussack“, wurde vorgestellt von M. Lucia (Ruppert): ein raffiniertes Ensemble aus Oberteil mit schwungvollem Überwurf und Pelzbesatz, absolut zeitlos, jedes Jahr erneut tragbar. Das letzte Mannequin war ziemlich verschlafen: der „Sac de somme“, der Schlafsack“, hatte – eben weil etwas verschlafen – erst seinen Sack vergessen, lief dann aber zu großer Form auf. Im Nachtgewand mit Armleuchter, behängt mit Wärmflasche und Uhr, wirbelte M. Ilonna (Pfeiffer) über den Laufsteg, legte sich dann aber bald ermüdet nieder und erlebte so nicht einmal mehr die Abschlusspräsentation der Mannequins und von Madame Beate: „Ob Rock, ob Bluse oder Frack, das Beste, Schönste ist der Sack“.

Szenen einer Ehe“, eigentlich nichts, was einem Ehepaar nicht vertraut wäre. Nicht so bei Tanja Koch in der Bütt: deren Ehe ist erschreckend glücklich. Ihr Mann verwöhnt sie von vorne bis hinten, kocht, deckt den Tisch, übernimmt Putzarbeiten im Haus, bringt den Müll raus, macht die Gartenarbeit, schickt seine Frau zum Kirchenchor, betreut abends das Kind, massiert und pflegt und …wie meinte Tanja immer beim Refrain: “Mannomann, was hab ich für einen Fang gemacht“. Dass sich dann doch alles noch so regelte, wie wir alle das erwartet hatten, war ja klar: Tanja hatte alles nur geträumt: „ich blickte mich um und glaubte es kaum, aus und vorbei, es war nur ein Traum“. Na Gott sei Dank…

Richtig Stimmung in die Bude brachte dann Hansi Hinterseer alias Alexander Mergl. Obwohl Alex den Hansi angeblich gar nicht mag, parodierte er ihn großartig. Er hatte sich in einen weißen Anzug gezwängt und kam Playback singend in den Saal. Sein selbst zusammengestelltes Potpourri gefiel dem Publikum offensichtlich ausgezeichnet. Dann busselte Alex noch die Verwandtschaft, enterte die Bühne, riss sich den Anzug vom Leib und begeisterte in einer Krachledernen mit „Hände zum Himmel, Hände zur Hölle“. Das Publikum machte begeistert mit, der Saal wogte hin und her, rauf und runter: „wir feiern wie noch nie, denn heute ist ein schöner Tag“. Richtig, und dir, lieber Alexander, herzlichen Dank für deinen gelungenen Auftritt.




Eine weitere Premiere als Moderatorin feierte Ilona Pfeiffer, denn sie kündigte den letzten Punkt des Bühnenprogramms des Abends an, einen Rechtsanwalt in der Bütt. Stil- und würdevoll schritt Valentin Ruppert als gefürchteter Anwalt der Gerechtigkeit zur Tat. Zwar war er der Meinung, dass „mei Plädoyers und mei Zitate wirke oft wie Handgranate“, doch nicht alle seine Klienten waren dieser Meinung. So auch nicht eine Dame, die einen Verkehrsunfall hatte, Anwalt Valentin den Unfallflüchtigen wegen Fahrerflucht einbuchten wollte, bis die Dame sagte: „es knallte nicht im Sport-Coupe, es rumste auf dem Canape“. Auch ein diebischer Penner war mit Anwalt Valentin gar nicht zufrieden, denn er bekam nur 2 Wochen auf Bewährung, obwohl er lieber drei Monate im Kittchen gelandet wäre, um den Winter in der warmen Zelle zu verbringen: „Herr Rechtsanwalt, ich kann`s nicht fasse, sie sind ein Stümper erster Klasse“. Und ein von RA Valentin vertretender Fotograf wehrte sich gegen eine vermeintlich hübsche Dame, die in die „Quick“ wollte recht rüde: Sie haben Schweinsohr` n ohne Frage und Schenkel wie ein Schwartenmage, ein Presskopf und ein Ochsenmaul, ein Hintern wie ein Ackergaul, ein solches Monstrum ohne Kleidung passt höchstens in die Metzgerzeitung“. Aua.




An dieser Stelle ganz besonders herzlichen Dank allen Helfern, die diesen Abend im „Hintergrund“ begleitet haben, namentlich an Eva Bofinger an der Kasse, an Ingrid Bouveret, Maria Maier und Walter Hess vom Team Catering, am Nachmittag noch unterstützt von Helga Sprießler. Und ein großes Dankeschön auch allen Frauen und Männern, die bei der Saaldekoration und dem Auf- und Abbau von Bar und Bestuhlung mitgeholfen haben. Ohne ein so tolles Team ist eine Veranstaltung dieser Größe nicht möglich. Danke, wir freuen uns auf 2013.



04/02/12-OL