Ein Ausschnitt aus der Vereinschronik

Anlässlich des 100jährigen Vereinsjubiläums im Jahr 2006 haben wir eine großformatige Jubiläumsbroschüre mit teils vierfarbigen Bildern und einer recht ausführlichen Vereinschronik herausgebracht. Nachfolgend ein stark gekürzter Auszug.

Am 16. Februar 1906 gründen 23 sangesfreudige junge Frauen und Männer den „Cäzilien Verein Jöhlingen“ (damals übliche Schreibweise der Namenspatronin noch mit „z“). Die Aufnahmegebühr für neue Mitglieder beträgt 50 Pfennige und der Kassier für die Beiträge wird noch „Diener“ genannt. Als erster Präses und Vorstand fungiert Pfarrverweser Dussel, Hauptlehrer Kober spielt die Orgel und dirigiert den jungen Chor.

Der Zulauf zum Chor ist groß, denn die wöchentlichen Chorproben bieten den jungen Menschen eine der wenigen Möglichkeiten, dem teilweise sehr strengen Elternhaus zu entfliehen und mit Freunden auch am Abend etwas freie Zeit zu verbringen.

Die erste Abendunterhaltung des Vereins findet im Gasthaus „Zum Kreuz“ statt, der erste Ausflug führt 1908 nach Bad Herrenalb. Dort werden die konsumierten Speisen und Getränke mit 2 Mark 50 Pf. pro Person bezuschusst; das ist schon viel Geld, denn für 1 Liter Wein muss man gerade einmal 1 Mark 25 Pf. bezahlen.

Die Generalversammlung im Jahre 1909 wählt Stefan Obermann zum Vorsitzenden, der Dirigent wird Lehrer Brettle. In ihre Amtszeit fällt der 1. Weltkrieg. Die Ausgaben für die im Felde stehenden Mitglieder betragen 1914 nach den Eintragungen im Kassenbuch für sieben aktive und zwei passive Mitglieder 22 Mark 40 Pf.“ Im Jahre 1921 übernimmt Lehrer Krämer das Dirigentenamt, Josef Dehm und Franz Fabry führen den Verein in den zwanziger und dreißiger Jahren.

Chorproben finden in einem Raum in der alten Schule statt. Die für die Erwachsenen unbequemen Schülersitze dienen den Sängern als Bestuhlung. Die einheitliche Kleiderordnung, wie sie heute bei Auftritten üblich ist, gibt es noch nicht.

Die jährliche „Abendunterhaltung“, auch „Fest zu Ehren der Hl. Cäzilia“ genannt findet auch damals schon im November statt. Ehrungen, Liedvorträge, eine Tombola (der sog. „Glückshafen“) und eine Theateraufführung bestimmen das Programm. Zur Generalprobe des Theaterstückes, die jeweils am Nachmittag vor dem großen Abend statt findet, lädt der Verein die Kinder des Ortes ein, damit auch sie in den Genuss des Theaterstückes kommen können. Die Feiern finden im größten Saal des Dorfes, im „Gasthaus Löwen“ statt. Ab 1929 spricht man dann bereits von der „Cäcilienfeier“ (nun also schon mit „c“ in der Mitte).

In den für den Verein sehr entbehrungsreichen Vorkriegsjahren wird 1930 eine Krippenfeier veranstaltet, auch die musikalische Maiandacht 1931 ist eine Premiere in Jöhlingen und sorgt für eine übervolle Kirche.

Die Arbeit des Cäcilienvereins im Dienste der Kirchenmusik zur Verschönerung der Gottesdienste und zur Erbauung der Gläubigen geht in den Kriegsjahren fast ungestört weiter, obwohl 18 Mitglieder des Chores eingezogen sind und der Chor als reiner Frauenchor weiter singt. Zu verdanken ist dies der Einstellung einer Ordensschwester, die auch dafür sorgt, dass der Verein von „Misshelligkeiten seitens der Partei“ weitgehend verschont bleibt. Schwester Reineldis unterstützt den Verein bis 1951 äußerst aktiv als Organistin, Dirigentin und Solistin und studiert mit den Frauen zudem Theaterstücke ein.

Die erste Cäcilienfeier nach dem Krieg wird im Elisabethenhaus, der damaligen Kinderschule, abgehalten. Die Cäcilienfeiern von 1952 bis 1964 finden dann wegen des größeren Platzangebotes im Gasthaus „Zum Löwen“ statt. Immer wieder finden sich für den Chor Solisten, die den Cäcilienfeiern durch Gesangseinlagen oder instrumentale Darbietungen einen besonders festlichen Rahmen verleihen. Die Theaterspielerabende im „Hoppele“ („Badischer Hof“), bei denen der Verein ein Essen als Lohn für die Mühe beim Theaterspielen spendiert, sind noch heute in guter Erinnerung.

Solange die Chorproben im Elisabethenhaus stattfinden, muss der Verein zur Beheizung des Probenraumes von der Gemeinde Holz kaufen, selbst aus dem Wald holen und sägen. Dazu ist im Kassenbuch vermerkt: „Ein Ster Holz von der Gemeinde 12 Mark, für Holz holen 5 Mark, für Holz sägen 5 Mark.“ Im Dorf werden die Vereinsnachrichten noch per Ortsrufanlage der Gemeinde bekannt gegeben, dafür muss ein Entgelt an die Gemeinde entrichtet werden: „Bekanntmachung mit der Ortsrufanlage: 2,10 Mark“.

Eine wichtige Phase im Vereinsleben beginnt, als die Singstunden ab dem Jahre 1965 im neu erbauten Martinussaal stattfinden. Der Verein wird dadurch wesentlich selbständiger und kann seinen Kassestand durch die eigene Bewirtung steigern. Er beteiligt sich immer wieder an der Renovierung des Saales und trägt nicht zuletzt durch regelmäßige Putzaktionen zum Erhalt des Pfarrgemeindehauses bei.

Der Mitgliederstand des Vereins pendelt sich in den siebziger und achtziger Jahren bei etwa 250 ein, davon sind etwa 100 Ehrenmitglieder. Der Stand an aktiven Sängerinnen und Sängern schwankt ständig zwischen 65 und 80.

Zu allen Zeiten ist dem Verein soziales Engagement sehr wichtig, ebenso wie ein harmonisches Eingebundensein in die weltliche Gemeinde. Der Verein präsentiert sich heute weltoffen und modern und hat seinen festen Stellenwert in der kirchlichen wie weltlichen Gemeinde.

Falls Sie sich ausführlicher über den Cäcilienverein, seine Geschichte und Aktivitäten informieren wollen empfehlen wir ihnen die Jubiläumsfestschrift. Restbestände sind noch durch die Verwaltung zu bekommen. Bitte nehmen sie Kontakt mit uns auf. die notwendigen Daten sind hier aufgeführt.

08/06/07 -OL/BS